Auch ein Mangel an Sonnenlicht kann schaden

Von Antje Büll

Einen makabren Werbeslogan haben sich die Kämpfer gegen den Hautkrebs einfallen lassen: "Zwei Wochen Mallorca, Hotel und Hautkrebs inklusive." Hier waren schnelle Werbetexter von den Ursachen überzeugter als die Wissenschaftler. Denn bei allen berechtigten Warnungen vor übermäßigen Sonnenbädern: Es gibt durchaus Zweifel, ob es tatsächlich nur die Sonne ist, die zu bösartigen Hautkrebsen führt.

Für die häufigen und wenig gefährlichen Basalzellenkrebse der Haut wird an der ursächlichen Wirkung von ultravioletten Strahlen nicht mehr gezweifelt. Immerhin soll es dreißig bis vierzig Jahre dauern, bis nach intensiver Bestrahlung ein Basalkrebs an sonnenbeschienenen Körperstellen entsteht. Da der Basalkrebs meist nur örtlich auftritt, nicht streut und daher keine Tochtergeschwülste entstehen, sind die Heilungschancen nach einer kleinen Operation in 95 Prozent der Fälle sehr gut.

Ganz anders sieht es aus mit dem "schwarzen" Hautkrebs, dem Melanom. Diese Geschwulst ist bösartig, weil sie sehr früh Tochterzellen, sogenannte Metastasen bildet, die andere Organe befallen. Häufig kommt die Behandlung zu spät, und die Erkrankung endet tödlich. Die Zahl der Melanom-Patienten hat erschreckend zugenommen. Experten sprechen von einer Vervierfachung in den letzten zwanzig Jahren. Im vergangenen Jahr sind über 6000 Bundesbürger an diesem bösartigen Tumor erkrankt.

Vermutlich sind die Gründe nicht nur bei der Sonne zu suchen. "Es gibt verschiedene Faktoren, die Melanome auslösen", meint Enno Christophers, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie. "Neben genetischen Einflüssen und weiteren noch unbekannten Faktoren, spielt auch die ultraviolette Strahlung eine Rolle." Die Wissenschaftler haben allerdings noch nicht feststellen können, wie die Sonne Melanome entstehen läßt. Die schwarzen, fleckenartigen, kaum erhabenen Geschwulste treten nämlich häufig an Körperstellen auf, die von der Sonne kaum oder nur selten erreicht werden. Häufig sitzen sie am Rücken oder an den Unterschenkeln, den Fußsohlen oder Schleimhäuten. Bei den Eskimos kommen sie anscheinend genau so häufig vor wie bei Süditalienern. Auch negativ verlaufene Tierexperimente mit hoher UV-Bestrahlung bestärken jene Zweifler, die der Sonnenstrahlung bei der Melanom-Entstehung eher eine untergeordnete Rolle zumessen.

Widersprüchliche Daten