Bonn schmückt sich, wo es nur kann. Vergangene Woche wurde eine Franz-Josef-Strauß-Allee eingeweiht, mit bayerischem Defiliermarsch und zahlreich versammelter Strauß-Sippe. Der Geehrte sei ein Freund der Stadt Bonn gewesen, versicherte Oberbürgermeister Hans Daniels (CDU), schließlich habe er als Bundesfinanzminister auch das nötige Geld für den Bau der Bonner Stadtbahn bewilligt.

Als "hervorragendes Symbol" wertete es Daniels, daß die Strauß-Allee in die Ludwig-Erhard-Straße übergeht. In Wirklichkeit mußte der Vater des Wirtschaftswunders mehr als einen Kilometer der nach ihm benannten Straße entlang der Rheinaue an den bayerischen Landesvater abtreten.

Dagegen dürfte es Bürgermeister (und MdB) Daniels gar nicht gefallen, daß die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Berlin als Regierungssitz vorzieht. Das Verbandsorgan Arbeitgeber jedenfalls bedauert lebhaft, daß der Bundestagsbeschluß vom 4. November 1949 in Vergessenheit geraten sei, nach dem die "leitenden Bundesorgane ihren Sitz in die Hauptstadt Deutschlands Berlin verlegen sollen". Auch die von der Bonn-Lobby gehandelten Umzugskosten von hundert Milliarden Mark scheinen den Unternehmern weit übertrieben; sie halten die vom Berliner Senat ermittelten sieben Milliarden Mark für weit glaubwürdiger.

Der Kompromißvorschlag der Arbeitgeber sieht so aus: Da man heute nicht wisse, ob und wann einmal neue internationale Gremien in die einst geteilte Stadt kommen werden, "sollte kurzfristig angestrebt werden, einen Teil zentraler Regierungsaufgaben nach Berlin zu verlagern. Auch müßte der Bundestag, wie in früheren Jahren, neben Bonn auch in Berlin tagen."

Fast hätte es keiner gemerkt: Der Staatsvertrag zur Herstellung der deutschen Einheit regelt auch die Aufstellung von Spielautomaten in der Ex-DDR. Paul Gauselmann, der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie, zieht daraus den Schuß: "Wenn es für notwendig angesehen wird, daß die deutsche Wiedervereinigung nicht ohne Automatenregelung stattfindet, kann niemand mehr so tun, als ob die Branche in einem wie auch immer gearteten Zwielicht stünde."

Nach Ansich von Gauselmann findet in der ehemaligen DDR "zur Zeit eine Volksabstimmung zugunsten elektronischer Unterhaltungsautomaten statt". Diese neue Freiheit dürfe man natürlich nicht gleich wieder mit Verboten belegen. Angesichts solcher Eigenwerbung macht es sich ganz gut, wenn man als Kronzeugin die Ex-Präsidentin der Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl (CDU), bemühen kann. Ihr legen die Automaten-Leute die Erklärung in den Mund, daß "in einem Lande, das gerade erst die individuelle Freiheit kennenlernt, auf Verbote für die Freizeitgestaltung äußerst empfindlich reagiert wird".

Wer weiß, vielleicht fehlen den Menschen im Osten der Republik tatsächlich Geldautomaten zu ihrem Glück. Oder mangelt es Frau Bergmann-Pohl ein bißchen an Erfahrung im Umgang mit hartgesottenen West-Lobbyisten?