Wolfgang Schäuble hat Helmut Kohl geholfen, so manche Krise zu überstehen

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Oktober

Einmal mit einem langen, im Blumenstrauß verborgenen Messer, dann mit einem schweren Smith & Wesson-Revolver, der aus dem Jagdschrank entwendet worden ist – zwei Politiker sind in diesem Jahr in wenigen Sekunden aus ihrer Bahn gerissen worden, erst Oskar Lafontaine, dann Wolfgang Schäuble. Beide Male, heißt es, sei es die Tat von Verwirrten oder Paranoiden gewesen.

Der Messerstich am 25. April galt "einem Politiker", egal wem, es hätte auch Johannes Rau sein können, der ebenfalls in Köln auf dem Podium saß. Die Täterin, Adelheid Streidel, traf aber Oskar Lafontaine haarscharf neben der Schlagader. Der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, 47 Jahre alt, überlebte mit viel Glück.

Die drei Pistolenschüsse am Abend des 12. Oktober an der Tür der Gaststätte "Bruder" im badischen Oppenau galten "dem Staat", von dem sich der Täter psychisch verfolgt fühlt. So äußerte sich hinterher der 37jährige Dieter Kaufmann, der zuvor ruhig einer Wahlrede Schäubles zugehört hatte und dann am Ausgang auf den Redner wartete.

Mit seinen Schüssen auf den Bundesinnenminister traf er einen Mann, der in die erste Reihe der Regierungspolitiker aufgerückt ist. Seit einigen Wochen wurde gemunkelt, der 48jährige Schäuble sei der Kandidat Helmut Kohls für Höheres, zunächst einmal für das Amt des Fraktionsvorsitzenden als Nachfolger Alfred Dreggers, der freilich nicht gerne gehen möchte, später als Kanzlernachfolger – Kohls Kronprinz also.