Von Zbigniew Brzezinski

Die Krise im Golf ist die erste Weltkrise nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Gefahr einer amerikanisch-sowjetischen Konfrontation stellt sich daher glücklicherweise nicht. Gleichwohl gilt: Wenn die Krise falsch angepackt würde, könnte dies verheerende Folgen für die Weltwirtschaft haben, Arabern und Amerikanern vielleicht einen schrecklichen Blutzoll abverlangen und im übrigen beinahe unausweichlich im ganzen Mittleren Osten beträchtliche Verwerfungen auslösen.

Die Golfkrise ist daher zu ernst, als daß sie durch die Beschlüsse in einer einzigen Hauptstadt allein gelöst werden könnte, und zu gefährlich, als daß man sich ihr im Zustand der Hysterie nähern dürfte. Sie verlangt vielmehr strategische Konsultationen zwischen den beteiligten Ländern, in die neben dem demokratischen Westen auch die Führer der gemäßigten arabischen Staaten einbezogen werden müßten, die über Saddam Husseins Aggression gleichfalls empört sind. Gegenstand dieser Beratungen sollten die Streitfragen sein, um die es geht; die Politik, die einzuschlagen wäre; und die Kosten, die bei dem Unternehmen anfallen.

Eine kollektive strategische Reaktion auf die irakische Herausforderung muß dabei auf der Übereinstimmung in drei zentralen Fragen ruhen.

Erstens: Sie muß dem Westen verläßlichen Zugang zu preislich erschwinglichem Erdöl verbürgen. Praktisch heißt dies, daß die Sicherheit Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate vor weiteren irakischen Pressionen oder Aggressionen gewährleistet sein muß.

Zweitens: Die Unantastbarkeit der internationalen Ordnung muß vor einseitiger Gewaltanwendung geschützt werden. Praktisch heißt dies, daß der Status von Kuwait auf befriedigende Weise definiert werden muß.

Drittens: Jede Reaktion muß Iraks erhebliches Militärarsenal als eine längerfristige Bedrohung der regionalen Sicherheit in Rechnung stellen. Je nachdem, ob die Krise friedlich oder mit Waffengewalt gelöst wird, mag sich die Völkergemeinschaft auch über die Zukunft von Saddam Husseins persönlicher Führungsstellung Gedanken machen.