Es geschah an einem Mittwoch. Oder war es der Dienstag gewesen? Über Bayerns Hauptstadt leuchtete der Friedensengel in der Abendsonne "Ich wollt grad zum Vater reingehen, in die Staatskanzlei, da kam mir die Frau Berghofer Weichner entgegen und sprach zu mir Kündigen sich so Sternstunden der Menschheit an? Das erfahren wir immer erst, wenn es schon geschehen ist. Mathilde Berghofer Weichner jedenfalls, Justizministerin des Freistaates Bayern und stellvertretende CSU Vorsitzende, hatte für diesen Abend die Amtsgeschäfte beendet und war auf dem Heimweg. Die mächtige Dame von stattlicher Statur stieg mit schwerem Schritt die Treppe hinunter. Da sah sie die Hohlmeier Moni, die Tochter vom Franz Josef Strauß, die Stufen hinaufspringen und hielt sie an:

"Wüllst net in die Politik nei, wie der Herr Vater?" So oder ähnlich mag sie gesprochen haben. Monika Hohlmeier, blutjung, schlank und schlaksig, mit strahlendem Lächeln und stets etwas blassem Gesicht, hatte heftig den Kopf geschüttelt. "Einer in der Familie ist genug. Da war kein Platz für einen zweiten Politiker. Der Vater hat voll den ganzen Spielraum beherrscht", erzählt sie heute. Und darin wird ihr weit über die Grenzen der Strauß Familie hinaus die gesamte Bayern Partei zustimmen.

Doch dann geschah das Unglaubliche.

Ganz plötzlich, vier Jahre nach dem Tod der Mutter, starb auf der Jagdgesellschaft beim Fürsten von Thurn und Taxis der Vater. Da kam ihr das Schicksal noch einmal in der imposanten Gestalt der Mathilde Berghofer Weichner entgegen: "Jetzt müss mers anpacken, Moni, jetzt müss mers entscheiden Und so wurde Monika Hohimeier, geborene Strauß, Politikerin und hat sich am vergangenen Sonntag zur Landtagswahl gestellt (Ob sie es geschafft hat, stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest ) Keiner der Söhne: Nicht der Erstgeborene, der 32jährige Jurist Max Josef, und auch nicht der 30jährige Franz Georg, heute Mitinhaber des bayerischen Heimatsenders TV weiß blau, sondern die Jüngste, die 28jährige Tochter, trat in die Fußspuren des mächtigen Patriarchen. Daß sie es gar nicht so gern höre, stets als Tochter vom Strauß identifiziert zu werden, glauben die Leute. Aber das ist eben deren Problem. Strauß Erbin zu sein, "die Herausforderung nehm ich gern an", sagt sie "Da bin ich stolz drauf und freu mich drüber Den Brüdern ist es recht. Die würden an Franz Josef Strauß gemessen und das nicht überleben. So versucht der eine sich als Anwalt und der andere, "der Franz Georg", sagt die Schwester über den Bruder, "der war ja der Mutter Sohn. I bin die Vater Tochter "

Was sonst einer Frau in Bayern und anderswo meist unmöglich ist: Karriere und Familie, ohne dafür als egoistische Ehefrau und schlechte Mutter von den lieben Mitmenschen verurteilt zu werden, sie darf. Nicht, weil sie eine so begnadete Politikerin wäre, verzeiht man ihr, daß der Ehemann und die zwei kleinen Kinder daheim mit der Haushälterin zu Abend essen, während Monika im BMW mit Chauffeur unterwegs ist zu Parteiveranstaltungen oder zu Kuratoriumssitzungen. Politisches Profil hat sie noch keines. Sie fängt ja erst an. Doch hinter ihr stehen, Ikonen gleich, FJS und die Landesmutter, als die Marianne Strauß in Bayern verehrt und geliebt wurde. Denn auch die Mutter war für eine Hausfrau oft aushäusig gewesen, unterwegs für die gute Sache, für soziale Stiftungen und Organisationen.

Ein doppeltes Erbe also hat die Tochter angetreten. Das Volk der Bayern - auch irgendwie elternlos nach dem überraschenden Tod des Regentenpaares scheint es von den Strauß Kindern nicht anders erwartet zu haben "Schlimm gnuag, daß die Strauß Buabn rein gornix beitrogn Allein zu stehen auf dem Balkon des Strauß Imperiums hat die heute 28jährige Monika Hohlmeier altklug gemacht, wodurch sie noch jünger wirkt. Doch nicht bemitleidet will sie werden, sondern gewählt, denn sie ist ehrgeizig.

Als sie Anfang dieses Jahres im Münchener Vorort Vaterstellen für den Gemeinderat kandidierte, bekam sie neunzig Prozent der Stimmen und wurde mit diesem "Honnecker Ergebnis" Häufelkönigin, denn das bayerische Wahlrecht kennt nicht nur die Parteien, sondern auch die Personenwahl, bei der die Kandidatin Stimmen häufeln kann. Daß der StraußKult in ihr seine Fortsetzung finden darf, dankt ihr das Wahlvolk und nützt der Partei "Einer der Sterne Bayerns", sprach ergriffen Finanzminister Max Streibl, als sie am politischen Horizont erschien. "Für alle Bayern ein echter Lichtblick", stimmte FDP Landesvorsitzender Manfred Brunner zu "Die Strauß Tochter ist ja bloß auf Stimmenfang", mosern die Sozialdemokraten.