Bis die Sanktionen gegen den Irak wirken, wird noch viel Zeit verstreichen. Soll ein blutiger Krieg vermieden werden, muß die Koalition gegen Saddam Hussein einen langen Atem beweisen. Die vergangenen zwei Wochen haben indes gezeigt, wie schwierig dies in einer Weltgegend ist, in der fast täglich ein neuer Brandherd auflodert.

Erst hat das Massaker am Tempelberg in Jerusalem das Schlaglicht auf Israel geworfen. Fünf Tage und fünf Nächte brauchte der UN-Sicherheitsrat, um sich zu einer Resolution zusammenzuraufen. Dann erinnerte der Mord am ägyptischen Parlamentssprecher Mahgub daran, daß gerade im Nahen Osten weiterhin Terroristen wüten. In Beirut schließlich vertrieben die Syrer den von Bagdad unterstützten General Aoun und bauten damit ihre Vorherrschaft im Libanon aus.

Selbst wenn Saddam jemals darauf gesetzt haben sollte, er könne mit der Eroberung Kuwaits und einem späteren Rückzug die Lösung anderer Konflikte im Nahen Osten erzwingen, so gibt es selbst jetzt keinen Grund zur Annahme, eine solche Rechnung könnte aufgehen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Seine Widersacher haben fürs erste einige Streitigkeiten begraben und Interessengegensätze zugekleistert – nicht um dem Irak entgegenzukommen, sondern um ihm besser entgegentreten zu können. Doch wie lange kann dieses Zweckbündnis auf dem Treibsand halten? Der Sand rinnt durchs Stundenglas. F. G.