Was als studentische Selbsthilfe begann, hat längst einen breiten Kundenkreis bekommen: Mitwohnzentralen. Immer mehr nehmen die Wohnungsbörsen auch den Fremdenverkehrsämtern Arbeit ab.

Vor drei Jahren wurde in Berlin die erste Mitwohnzentrale gegründet, heute gibt es rund sechzig Zentralen in dreißig verschiedenen Städten Deutschlands. Sie vermitteln auf der Basis eines Untermietvertrages Wohnraum auf Zeit: Zimmer aller Größen, Appartements, Wohnungen und Häuser.

Hauptanbieter sind Studenten, die in den Semesterferien für einige Monate ihre Bude untervermieten wollen. Aber auch Familien, alleinstehende Rentner oder Besitzer von Zweitwohnungen suchen über die Zentralen Untermieter.

„Die Suchenden kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten“, berichtet Hanne Kottmann, Vorsitzende des Verbandes deutscher Mitwohnzentralen, „das hat nichts mehr mit der Alternativszene vom Anfang zu tun.“ Gerade hat sie für 4500 Mark Miete im Monat eine Villa mit Whirlpool und Marmorböden vermittelt.

Zehn Prozent der Mieter sind Touristen. Sie lassen sich auf Bedand-Breakfast-Basis Zimmer für ein paar Tage oder ein Wochenende vermitteln. Günstige Zimmer gibt es schon ab zwanzig Mark pro Nacht und Person, Appartements ab sechzig Mark aufwärts. Doch nicht alle Mitwohnbörsen akzeptieren Tagestouristen als Kunden, viele vermitteln Zimmer erst bei einem Mindestaufenthalt von zwei Wochen.

Die Provision, die zusätzlich zum Zimmerpreis zu zahlen ist, beträgt rund zwanzig Prozent des Mietpreises. Die einzelnen Wohnbörsen halten es unterschiedlich: manche verlangen, unabhängig davon, wie lange der Tourist bleibt, eine Mindestpauschale von rund dreißig Mark, andere eine Pauschalgebühr von acht Mark pro Person und Nacht. Telephonische Aufträge von Wohnungssuchenden nehmen die Mitwohnzentralen nicht entgegen, die Mieter müssen sich persönlich vorstellen und ausweisen.

Die Zentralen in den einzelnen Städten vermitteln sich gegenseitig Kunden. Ein Münchner beispielsweise, der ein Zimmer in Hamburg sucht, kann bei der Wohnbörse zu Hause ein Auftragsformular ausfüllen. Er erhält eine Liste von Anbietern in Hamburg und kann sich persönlich mit diesen in Verbindung setzen. Drei Mitwohnzentralen im Ausland sind mit den deutschen vernetzt: Wien, .Paris und Zürich. Auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR fassen die Wohnbörsen langsam Fuß. Eine Mitwohnzentrale existiert schon in Leipzig, eine weitere eröffnet demnächst in Dresden. piep