DIE ZEIT

Alles gelaufen?

Noch nie war schon vor einer Bundestagswahl alles so klar, wie es dieses Mal aussieht. Nach den sechs Landtagswahlen vom vorigen Sonntag in Bayern und in den neuen östlichen Bundesländern ist die Luft heraus aus dem Kampf um Bonn.

Purzelbäume

Vom Erhabenen zum Lächerlichen führt auch in der amerikanischen Politik eine Direttissima. Gestern noch auf den höchsten Wogen der Popularität, heute eine Zielscheibe für Spötter: George Bush erlebt gerade, wohin es führt, wenn ein Politiker Schwäche zeigt.

Im Treibsand

Bis die Sanktionen gegen den Irak wirken, wird noch viel Zeit verstreichen. Soll ein blutiger Krieg vermieden werden, muß die Koalition gegen Saddam Hussein einen langen Atem beweisen.

Zum zweiten Mal

Erst Oskar Lafontaine, jetzt Wolfgang Schäuble – zum zweiten Mal in diesem politisch so bewegten Jahr hat ein geistig Kranker einen Politiker niedergestreckt.

Eine Prämie aufs Prinzip Hoffnung

Rückblende: Wien, Juni 1961. In der amerikanischen Botschaft saßen sich John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow am Mittagstisch gegenüber.

Zeitspiegel

Auf der Suche nach neuer Heimat sieht sich der brandenburgische Landtag jäh gestoppt: Alle Parteien hatten ihre Fraktionsmitglieder auf den Brauhausberg schicken wollen, wo der "Potsdamer Kreml" die alte Preußenstadt an der Havel überragt.

Zwei Anschläge psychisch kranker Attentäter haben in diesem Jahr die politischen Auseinandersetzungen überschattet – erst wurde Oskar Lafontaine lebensgefährlich verletzt, jetzt der Bundesinnenminister: Des Kanzlers Kandidat

Einmal mit einem langen, im Blumenstrauß verborgenen Messer, dann mit einem schweren Smith & Wesson-Revolver, der aus dem Jagdschrank entwendet worden ist – zwei Politiker sind in diesem Jahr in wenigen Sekunden aus ihrer Bahn gerissen worden, erst Oskar Lafontaine, dann Wolfgang Schäuble.

Golflkrise: Hoffen auf die heile Welt

Petra Kelly hofft trotz allem auf das Unwahrscheinliche: "Eine Gruppe gewaltfreier Menschen muß das Gespräch mit Saddam Hussein suchen.

Waffenexport: Politik mit Desinformationen

Prinz Saud al-Feisal, der saudiarabische Außenminister, beendete seinen Besuch in Bonn mit einem süßsauren Lächeln vor den Fernsehkameras: Er sei zuversichtlich, daß es nach der Wiedervereinigung nicht länger bei der deutschen "Sensibilität" bleiben werde, die bislang Waffenlieferungen an sein Land verhindert habe.

Ben Witter: Angetippt

Sinto ist er, und er lebt im Norden. Roma sind im Süden und Osten, so einfach ist das, wenn man will. Aber er ist auch Deutscher.

Ein Bogen bis zum Baltikum: Auf den Spuren der Hanse

War es Weitsicht, Glück oder Intuition, daß Björn Engholm, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, schon vor anderthalb Jahren eine Gruppe von Personen berief, die darüber nachdenken sollten, in welchen Bereichen und auf welche Weise die Anrainerstaaten der Ostsee enger zusammenarbeiten könnten.

Großbritannien: Schwere Zeiten für die Lady

Auf dem Kongreß der Konservativen in Bournemouth ließen die Redner – ob schlichter Delegierter, Minister oder Margaret Thatcher selbst – keine Gelegenheit aus, über die oppositionelle Labourpartei und deren Führer Neil Kinnock herzuziehen.

Was der KGB über die ZEIT wissen wollte

Nach dem Mittagessen in der Kantine von Radio Kiew klingelte das Telefon. Die männliche Stimme sprach mich auf eine meiner Sendungen an und bat mich um einen Gesprächstermin.

Friedensnobelpreis: Keine Atempause für Gorbatschow

Alle Welt feierte den Nobelpreisträger Michail Gorbatschow – die Sowjetunion nicht. Die Kommentatoren der offiziellen Morgenzeitungen schwiegen am Dienstag so verlegen wie die meisten ihrer konservativen Kollegen in der Bundesrepublik vor neunzehn Jahren, als Willy Brandt ausgezeichnet worden war.

Weltbühne: Geisterstaat am Golf

Vor mehr als zehn Wochen hat sich Saddam Hussein Kuwait einverleibt. Seit Funk und Fernsehen nur noch irakische Sendungen ausstrahlen, bekommen die verbliebenen Bürger des Golfstaates dauernd zu hören, daß ihr Land nun "Kadhimat" heißt und die 19.

Bonner Bühne: Schutz und Demokratie

Das hat es mal gegeben: Staatskarossen stoppen, weil die Ampel auf Rot steht, Türen springen auf, kräftige junge Männer stürzen heraus und bilden mit entsicherten Maschinenpistolen einen Halbkreis, bis Grün kommt.

Nachlese: Italien: PDS – auf italienisch

Herbst- oder Frühlingswunder? Mit einer grünen Eiche, die, wenn sie rot wäre, einer Nelke gliche, doch im Parteiblatt Unità nur in düsterer Druckerschwärze das Licht der Welt erblicken konnte, haben sich Italiens Kommunisten ein neues Symbol zugelegt.

Wo der Frieden noch kalt ist

Auf einmal stand er in der Messe, unangekündigt, die Hände tief im schwarzen Trenchcoat vergraben. Er war nicht der einzige Besucher an Bord, ganz im Gegenteil.

Atomkolonie im Pazifik

Nowaja Semlja ist nicht die einzige durch Atomtests verseuchte Inselgruppe. Die neokoloniale Zerstörung der Atolle Mururoa und Fangataufa und die Verseuchung Polynesiens im Dienste der Abschreckung ist ein düsteres Kapitel in der französischen Nachkriegsgeschichte.

Albanische Flüchtlinge: "Deutschland war mein Traum"

Kujtim Idrizi legt großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Als er hört, daß ein Photograph kommt, putzt er sich rasch die Zähne, kämmt die Haare, zieht ein braunes Cordsakko über und setzt ein Dauerlächeln auf.

Hafenstraße contra stern: Demo in der Kantine

Der stern lügt", behauptete am Dienstag ein Transparent am Eingang des Verlagshauses Gruner + Jahr. Knapp hundert Bewohner der umstrittenen Häuser in der Hamburger Hafenstraße hatten die Kantine des Verlags besetzt.

Prozeß: Angst, nur Angst

Bis Ende nächster Woche befaßt sich die Schwurgerichtskammer des Arnsberger Landgerichts mit einem Ereignis, das Anfang des Jahres als "die Hinrichtung des Blutschänders" (Bild) Furore machte.

Hochschule für Entertainer: Späths Showbizle

Die Grünen sehen schon "Rex Gildo auf dem Nierentisch" tanzen, die Landes-SPD spricht von einer "Schnapsidee", und selbst CDU-Minister maulen hinter vorgehaltener Hand, die zwanzig Millionen Mark, die der baden-württembergische Ministerpräsident für eine "Showakademie" ausgeben will, könne man gescheiter für die Renovierung von Polizeikasernen verwenden.

Riskantes Manöver

Den 2,7 Millionen Rentnern in der ehemaligen DDR ist die Aufbesserung ihrer Bezüge gewiß zu gönnen. Zweifellos gehören sie zu den Ärmsten der Armen im erweiterten Bundesgebiet.

Endspurt der Eigentümer

Die Flut der Anträge auf Rückerstattung von DDR-Vermögen überfordert die Behörden

Mineralölwirtschaft: Verheißung

Daß die Saudis weltweit die größten Ölreserven haben, ist hinreichend bekannt. Wenn es beim Förderniveau von 1989 – rund 250 Millionen Tonnen – bliebe, dann reichten die Vorräte des Wüstenstaates noch für mehr als 130 Jahre.

Gatt- Verhandlungen: Eskalation

Schon seit Jahrzehnten ist die europäische Agrarpolitik ein öffentliches Ärgernis, weil sie Konsumenten und Steuerzahlern Kosten in Höhe von jährlich etwa zweihundert Milliarden Mark aufbürdet.

Udo Perina:: Wer nicht wagt, gewinnt

An den Finanzmärkten ist der Teufel los. Die Börsenkurse fallen wie noch nie, der Dollar findet keinen Halt, und alle Hoffnungen auf sinkende Zinsen haben sich zerschlagen.

Bonner Kulisse

Bonn schmückt sich, wo es nur kann. Vergangene Woche wurde eine Franz-Josef-Strauß-Allee eingeweiht, mit bayerischem Defiliermarsch und zahlreich versammelter Strauß-Sippe.

Alle Eier im Korb

Harry Markowitz, Merton Miller und William Sharpe schufen die Grundlagen für die Umwälzungen auf den internationalen Finanzmärkten

Illegale Beschäftigung: Mitarbeiter zweiter Klasse

Die Arbeiter der Leipziger Industriemontagefirma IMO hatten sich schon auf einen unangenehmen Arbeitseinsatz eingestellt: Im maroden Kernkraftwerk Greifswald sollten sie Montagearbeiten verrichten.

Weiterbildung: Auf glattem Parkett

Diskretes Blau, dezentes Grau, allenfalls Anthrazit: Seriosität dokumentiert sich zuallererst in der Farbe des Anzugs. Den Herren im Busineß-Einheitslook, die sich hier in ein Tagungshotel zurückgezogen haben, würde dabei nie ein Fauxpas unterlaufen.

Wer bezahlt für Umweltschäden? Bonn will die Schuldigen endlich zur Kasse bitten. Doch der Länderkammer geht das bereits vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Umwelthaftung nicht weit genug. Sie rief den Vermittlungsausschuß an, der in der kommenden Woche die Entscheidung fällen will. Der Autor erläutert die Hintergründe der sehr langwierigen Diskussion.: Rechtlose Umweltopfer

Die alarmierende Umweltzerstörung hat die Rechtsordnung vor eine doppelte Aufgabe gestellt: Einmal gilt es, Umweltschäden möglichst weitgehend zu verhüten, zum anderen muß für einen optimalen Ausgleich trotzdem entstandener Schäden gesorgt werden.

Brasilien: Verplant und vergeudet

Computer, Klimaanlagen und Kaffeemaschinen setzten plötzlich aus, und Lifte blieben stecken. Einen Tag lang im August wurde Brasilia vom Strom abgeschnitten.

Käufer gesucht

Solange am Golf ein Krieg droht, wird an den Weltbörsen keine durchgreifende Besserung der Aktienkurse erwartet. Das gilt auch für den deutschen Markt.

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