Mercedes-Benz und BASF sind von allen Altlasten befreit

Von Peter Christ

Die Herren gerieten ins Schwärmen. „Dies ist ein wichtiger und glücklicher Tag“, sagte Klaus-Peter Wild, Vorstandsmitglied der Treuhandanstalt in Berlin. „Das ist Unternehmertum á la Schlumpeter“, begeisterte sich gar Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann unter Hinweis auf den österreichischen Ökonomen, der die Rolle des risikobereiten Unternehmens pries.

Der Grund für diesen Überschwang: Die Mercedes-Benz AG hatte am Donnerstag vergangener Woche einen Vorvertrag mit der Treuhandanstalt und den Automobilwerken Ludwigsfelde unterschrieben. Darin verpflichtet sich das Automobilunternehmen, in dem Ort im Süden Berlins bis 1994 für knapp eine Milliarde Mark ein Montagewerk für Lastwagen zu bauen. Nach der Volkswagen-AG und Opel ist Mercedes-Benz der dritte Fahrzeughersteller, der eine Fertigungsstätte in der ehemaligen DDR betreiben will. Damit ist eine der Schlüsselindustrien westlicher Volkswirtschaften künftig auch im krisengeschüttelten deutschen Osten vertreten.

Für die Region um Ludwigsfelde ist das Engagement von Mercedes-Benz gewiß ein Glücksfall. Der Ort, bisher Sitz des ehemals volkseigenen Nutzfahrzeug-Kombinats IFA, drohte zur industriellen Einöde zu verkommen. Denn die seit 1965 in Ludwigsfelde gebauten Lastwagen finden kaum noch Abnehmer. In der ehemaligen DDR ist der Absatz seit Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli um neunzig Prozent zurückgegangen, obwohl IFA die Lastwagen, die in der Herstellung 75 000 Mark kosten, für 45 000 Mark verramscht. Die Kunden kaufen lieber gebrauchte Lkw aus westlicher Produktion anstatt die zwar robusten, aber technisch überholten Laster der IFA. Überdies verschleuderte die sich auflösende Nationale Volksarmee ihren Fuhrpark und überschwemmte so den Markt mit Billigangeboten. Die Folge: Auf dem Gelände des Unternehmens stehen zweitausend unverkaufte Lastwagen, die Produktion von zwei Monaten.

Verträge mit Folgen

Mercedes, größter Lastwagenhersteller der Welt, war also hoch willkommen. Aber das ehemalige Kombinat werden die Stuttgarter keineswegs retten. Sie bauen ein völlig neues Werk auf der grünen Wiese, nutzen weder Hallen noch Gelände der IFA und investieren auch nicht in das chancenlose Unternehmen. Das Schicksal des ehemaligen Kombinats ist damit besiegelt, zum Jahresende wird es seine Lkw-Produktion einstellen.