Alle reden von Marktwirtschaft – die neuen Vorstande der drei Staatsunternehmen Postdienst, Postbank und Telekom handeln auch danach Und das bekommen jetzt die Beschäftigten der ehemaligen Deutschen Post aus dem Osten des Landes zu spuren Mit einem Federstrich wollte beispielsweise Postbank-Chef Gunter Schneider sämtliche Postscheckamter in dem Gebiet der einstigen DDR schließen Doch er hatte seine Rechnung ohne die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) gemacht Gemeinsam mit einigen Parlamentariern sorgte sie dafür, daß die Amter in Leipzig und Berlin geöffnet bleiben

Eine andere marktwirtschaftliche Maßnahme konnte die DPG allerdings bisher nicht verhindern Zwar werden fast alle der 130 000 Ost-Postler übernommen – aber nicht zu gleichen Arbeitsbedingungen wie ihre westlichen Kollegen Der zweite Staatsvertrag macht’s möglich So wurden beispielsweise sämtliche Kundigungsschutz-Regeln, die die Gewerkschafter im Westen erstritten haben, einfach außer Kraft gesetzt oder ausgehöhlt

Generell bleiben jene Arbeitsbedingungen, die in der DDR am Tage vor dem Beitritt gegolten haben, laut Staatsvertrag so lange gültig, bis sie durch neue Tarifverträge ersetzt werden Und das kann dauern Denn die drei Postunternehmen haben bisher nur ihre Absicht erklärt, die bestehenden westlichen Regelwerke „im Rahmen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung im Beitrittsgebiet so rasch wie möglich“, allerdings nur „schrittweise“ auszudehnen Dazu wurde zunächst erst einmal eine Kommission eingesetzt

Am stärksten wird der Unterschied zwischen Postlern (Ost) und Postlern (West) bei Lohn- und Gehaltsfragen deutlich Selbst jene Beschäftigten des Bundesunternehmens aus der ehemaligen DDR, die künftig ganz oder zeitweise in den Westen beordert werden, können nicht damit rechnen, dasselbe Gehalt wie die westlichen Kollegen zu beziehen Setzt Postdienst-Chef Klaus Zumwinkel zum Beispiel einen Briefträger aus Cottbus in Köln ein, spart er im Schnitt 650 Mark beim Monatslohn

Medienunternehmer Leo Kirch scheint zur Zeit nicht gerade vom Gluck verfolgt Nach seiner Niederlage bei Springer und Sat 1 zog er jetzt auch beim Fernsehsender Telemontecarlo im Fürstentum Monaco den kürzeren Kirch wollte bei dem defizitären Kanal, der Italien flachendeckend bestrahlt, als Partner einsteigen – doch Raul Gardini, Familienchef des zweitgrößten privaten Industriekonglomerats Ferruzzi-Montedison, kam ihm in einer Blitzaktion zuvor 105 Millionen zahlte Gardini für eine 40-Prozent-Beteiligung an Telemontecarlo an die brasilianische Unternehmerfamilie Marinho, welche über ihren Konzern Globo die Mehrheit des Senders kontrolliert Gardini will mit der Beteiligung nun offenbar auch im Fernsehgeschaft Fuß fassen Der ehrgeizige italienische Manager betreibt bereits – allerdings mit großem Verlust – die Wrtschaftszeitung Itaita Oggi und die romische Tageszeitung II Messagero

Klemer Trost für Kirch Er ist nicht der einzige, dem Gardini zuvorgekommen ist Auch die franzosische Verlagsgruppe Hachette hatte ein Auge auf den Fernsehsender im Fürstentum geworfen

Einheit ohne Eintracht – das konnte das derzeitige Motto der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) sein Kurz vor dem außerordentlichen Gewerkschaftstag kommende Woche in Kassel, auf dem der Zusammenschluß mit den Ost-Eisenbahnern vollzogen werden soll, sieht sich GdEE-Vorsitzender Rudi Schafer intern harscher Kritik ausgesetzt Begriffe wie „Personalmauschelei“ und „Führungsschwäche“ machen die Runde