In den betroffenen West-Unternehmen haben die neuen Zwei-Klassen-Belegschaften bereits viel Ärger und vor allem ein gespanntes Betriebsklima verursacht. Die Stammannschaften der Firmen fürchten vielfach, die Billig-Arbeiter aus dem Osten könnten als "Lohndrücker" wirken; die Kollegen von drüben wiederum sind erbost, daß sie so viel weniger verdienen. "Der soziale Friede ist gefährdet", sagt Gino Dio, Leiter der mobilen Einsatzgruppe der nordrhein-westfälischen Gewerbeaufsicht. Vielfach habe dies bereits "Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit". Gerade bei gefährlichen Arbeiten, etwa in schwindelnder Höhe auf Baustellen, komme es auch aus Sicherheitsgründen auf ein kollegiales Betriebsklima an. "Doch Frust fördert Unachtsamkeit", so Dio.

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Heinemann hat angesichts dieser Entwicklung eine Verschärfung des Arbeitnehmer-Überlassungsgesetzes gefordert. Insbesondere verlangt er, daß die Leiharbeiter aus dem Osten künftig genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaft der entsprechenden Entleiherfirma. Die Arbeiter aus der ehemaligen DDR dürften nicht "zum billigen Jakob auf dem hiesigen Arbeitsmarkt" werden.