Herbst- oder Frühlingswunder? Mit einer grünen Eiche, die, wenn sie rot wäre, einer Nelke gliche, doch im Parteiblatt Unità nur in düsterer Druckerschwärze das Licht der Welt erblicken konnte, haben sich Italiens Kommunisten ein neues Symbol zugelegt. Und einen anderen Namen: „Demokratische Partei der Linken“ – in italienischer Abkürzung ‚,PDS“(!). Böse Karikaturisten stellen schon freudige Hündchen mit erhobenem Bein neben den Baum der Erkenntnis, unter dessen Wurzeln verschämt-klein, aber bedeutungsschwanger das alte Kürzel „PCI“ mit Hammer und Sichel prangt.

Der ganze Krampf des Identitäts-Debakels der größten KP des Westens kommt in diesem Namenswechsel zum Vorschein, den Parteichef Occhetto vorige Woche verkündete und die ein Parteitag im Januar absegnen soll. Doch die Wogen inneren Zwistes, der eine Spaltung wohl unvermeidlich macht, schlagen jetzt noch höher. Zwar wagte niemand direkt zu widersprechen, als Occhetto den „unumkehrbaren Bankrott“ des Sowjetsystems beim Namen nannte und bekannte: „Wir haben zu lange die Illusion einer Reformierbarkeit jener Regime kultiviert.“ Doch wirft eine Minderheit dem Parteichef vor, die Tradition auch in dem Sinne zu mißachten, daß er die jahrzehntealte Praxis der KPI, einen – auch ideologisch – „eigenen Weg“ zu gehen, kaum mehr würdigt.

In absichtsvoller – oder nur ratloser? – Unklarheit ließ Occhetto offen, wie der Weg nun in die Arme der Sozialdemokratie (oder gar des Craxi-„Sozialismus“?) führen soll. Von den „anderen ideellen und moralischen Kräften“, denen die Partei nun begegnen müsse, nannte er nur – die katholische Kirche. Dazu Christdemokrat und Regierungschef Andreotti: „Was läßt sich über einen Neugeborenen schon sagen? Wir haben gerade die Kinderschutz-Konvention der UN unterzeichnet.“ Hj. Ste.