Vom Erhabenen zum Lächerlichen führt auch in der amerikanischen Politik eine Direttissima. Gestern noch auf den höchsten Wogen der Popularität, heute eine Zielscheibe für Spötter: George Bush erlebt gerade, wohin es führt, wenn ein Politiker Schwäche zeigt.

In der Auseinandersetzung um den künftigen Bundeshaushalt hat er ein Übersoll an Volten geboten. Erst sollten es die Amerikaner von seinen Lippen ablesen (Read my lips): Keine neuen Steuern. Dann suggerierte er mit dem Hinweis auf seine gelenkigen Hüften (Read my hips) Beweglichkeit in der Steuerfrage. Schließlich mußte sich der Präsident mit der Schlagzeile verhöhnen lassen: Read my flips – Entziffert meine Purzelbäume.

Inzwischen geht es im Budgetstreit nicht mehr um vordergründiges Parteiengerangel, sondern um Grundsätzliches. Und Bush, gewöhnlich kein Prinzipien-Ritter, muß Farbe bekennen. Wer soll die Haushaltslöcher mit höheren Steuern füllen – die Armen und Normalverdiener oder die Reichen und Superreichen? Das ist eine schwierige Frage für einen Präsidenten, der es tunlichst mit keinem verderben will. Doch nur, wenn er die Budgetkrise fair und termingerecht (bis Ende dieser Woche) meistert, werden die Amerikaner bei einer noch kritischeren Entscheidung hinter George Bush stehen. Sie wartet am Golf auf ihn. D. B.