Sie äußert meist Zuversicht, gelegentlich Bitterkeit, doch nie Resignation, wenn sie über ihre frauenpolitischen Anliegen spricht: Vor fünf Jahren wechselte Rita Süssmuth vom Professorenstuhl auf den Ministersessel im Kabinett von Helmut Kohl, um die Jugend , Familien, Frauen- und Gesundheitspolitik zu führen; im November 1988 übernahm sie dann das Amt der Bundestagspräsidentin.

Nein, sie habe sich nicht ruhigstellen lassen, wehrt Rita Süssmuth die Kritik vieler Frauen ab, die glauben, die engagierte Frauenpolitikerin habe mit dem Ministeramt auch auf Macht und Einfluß verzichtet. Als Parlamentspräsidentin versuche sie, über die Parteigrenzen hinweg wichtige Anliegen in die Gesetzgebung hineinzutragen. So konnten die Politikerinnen im vergangenen August, gleichsam in letzter Minute, die Festschreibung des westdeutschen Verbots des Schwangerschaftsabbruchs nach Paragraph 218 StGB für das geeinte Deutschland verhindern - ein Vorgang, der deutlich zeige, daß die Frauen weiterhin um Eigenverantwortung und Selbstbestimmung kämpfen müssen, konstatiert Rita Süssmuth.

Die deutsche Einheit wird die Sache der Frauen fürs erste nicht stärken, eher im Gegenteil: Ostdeutschlands Frauen scheinen politikmüde und ziehen sich ins Private zurück, die alten und die neuen Männer drängen kräftig nach vorn. Ein Rückschlag für den Emanzipationsprozeß? "Wir müssen kämpfen", sagt die Präsidentin, "um den gewonnenen Boden nicht wieder zu verlieren "