Der Mann ist gefunden. Doch Zeitpunkt und Umstände seiner Wahl bieten einen Vorgeschmack darauf, wie sich die Politiker die fällige Neuordnung des deutschen Rundfunks vorstellen.

Rudolf Mühlfenzl heißt der Rundfunkbeauftragte, der nun bis Ende 1991 die ostdeutsche Rundfunklandschaft neu gestalten soll. Er ist kein Unbekannter. Von 1969 bis 1983 fiel er als Fernseh-Chefredakteur des Bayerischen Runkfunks durch knackig konservative Taten auf, die die Liebe zu seiner Partei, der CSU, verrieten. Später widmete er sich ganz dem Aufbau des privaten Rundfunks, was naturgemäß auch nicht ohne Querelen abging.

Der unterlegene Kandidat heißt Michael Albrecht; er ist Intendant des Ostberliner Fernsehens Dff und hat in seiner kurzen Amtszeit trotz schmerzlicher Operationen einiges Ansehen gewonnen.

Bonner Regie bewirkte, daß nicht der Fachmann am Ort, sondern der altgediente Haudegen gewählt wurde. Nach dem Einigungsvertrag hätte schon der frühere DDR-Premier Lothar de Maizière den Rundfunkbeauftragten durch die selige Volkskammer bringen können. Er machte nicht einmal den Versuch, sondern überließ die Wahl den Landessprechern, also eingesetzten, nicht gewählten Staatskommissaren, die die Interessen der fünf ostdeutschen Länder nur solange vertreten, bis es dort handlungsfähige Parlamente gibt.

Solange aber konnte man nach monatelangem Zögern plötzlich nicht mehr warten. Noch in dieser Woche treffen sich die Rundfunkreferenten, die Leiter der Staatskanzleien der Länder und nach ihnen – in Hannover – die Ministerpräsidenten. Erwartet werden Tendenzbeschlüsse nach dem Muster Deutschlandfunk in die ARD, Rias und damit ein bundesweites Hörfunkprogramm für das ZDF.

Ein staatlicher Schweinsgalopp für den ach so staatsfernen Rundfunk. rf