Die britische Parteitagssaison enthüllte Margaret Thatchers Schwächen

Von Jürgen Krönig

Bournemouth, im Oktober

Auf dem Kongreß der Konservativen in Bournemouth ließen die Redner – ob schlichter Delegierter, Minister oder Margaret Thatcher selbst – keine Gelegenheit aus, über die oppositionelle Labourpartei und deren Führer Neil Kinnock herzuziehen.

Die PR-Berater der Tories hatten die Premierministerin gar dazu verdonnert, eine ganze Serie von Witzen zu Lasten der „walisischen Plaudertasche“ Kinnock vorzutragen, was das Parteivolk zwar mit großer Heiterkeit und heftigem Applaus quittierte, bei den sensibleren Gemütern unter ihren Ministern jedoch ein leicht gequältes Lächeln hervorrief. Zum einen ist Margaret eine denkbar untalentierte Komödiantin. Zum anderen ist den Konservativen eigentlich gar nicht nach Lachen zumute.

Den Labourchef nehmen die Tories schon seit geraumer Zeit ernst. Sie tun gut daran. Ein Parteiführer, der es geschafft hat, seiner Partei während über fünfzehn Monaten einen meist zweistelligen Vorsprung in den Meinungsumfragen zu sichern, darf vom politischen Gegner nicht unterschätzt werden.

Zudem hat Kinnock in den sieben Jahren an der Spitze von Labour aus einer altmodisch-muffigen eine vergleichsweise moderne, geläuterte Partei gemacht. Labour hat viel ideologischen Ballast abgeworfen, für den die Wähler sie dreimal hintereinander mit vernichtenden Wahlniederlagen bestraft hatten.