Sie sind in fast jedem japanischen Büro zu finden: zurückhaltende junge Damen, die sich vor Besuchern lächelnd verbeugen, den männlichen Angestellten Tee servieren und Botengänge besorgen. Angeblich sind diese Bürodamen - allgemein BDs genannt - mit ihrem Schicksal sehr zufrieden, fahren ab und zu zum Shopping nach Hongkong und Hawai und warten ansonsten geduldig auf den Mann des Lebens.

Aber hinter der ruhigen, lächelnden Maske kochen viele von ihnen, wie sich jetzt herausstellt, vor Wut über die Männer, die sie bedienen. In einer Flut von Briefen, die das Wochenmagazin öffentlichte, nahmen die angeblich unterwürfigen Frauen Rache.

Aufrechte Manager, Schöpfer des japanischen Wirtschaftswunders, entscheidungsstarke und hart arbeitende Industriekapitäne? Busengrapschende, saufende, hilflose und infantile Tölpel sind sie aus der Perspektive jener, die den Tee bereiten. Die zurückschlagenden Bürodamen sind ein Zeichen für die wachsende weibliche Unzufriedenheit mit der traditionellen Arbeitsteilung: Männer bekleiden die wichtigen Positionen, während das andere Geschlecht meist unqualifizierte, mies bezahlte und schlecht angesehene Arbeit macht oder zu Hause die Kinder hütet.

"Bürodamen wollen respektiert und besser behandelt werden", sagt Chinami Chimizu, 27, die früher als Programmiererin auch die Aufgaben einer Bürodame wahrnehmen mußte. Jetzt betreut sie besagte Kolumne im Shukan Bunshun "Die Zeiten haben sich geändert", sagt sie, "deswegen ist es auch Zeit, daß dieses Benehmen aufhört". Die Beschwerden der 1300 Bürodamen, die an dem Vorwurf, daß ihre Chefs, sowie auch die anderen Männer im Büro, sie nicht ernst nehmen, vielmehr sie wie persönlich zugeteilte Sklavinnen halten.

Die Kolumnen sind voller anonymer Erlebnisberichte über Chefs, die bei Betriebsfeiern unerwünschte Zärtlichkeiten verteilen, den Bürodamen erzählen, wie niedlich sie sind, und auch vor intimen Vorschlägen nicht zurückschrecken.

Die Frauen berichten auch von Chefs, die dauernd in der Nase bohren, unfähig sind, Telephontasten zu bedienen, oder vor den Augen des Büropersonals die Hosen herunterlassen, um ihr Hemd hineinzustopfen "Als er das zum 1. Mal gemacht hat, habe ich fast einen Herzanfall bekommen", schreibt die 24jährige Angestellte einer Druckerei. In einer Kolumne, die sich ausschließlich mit dem Zubereiten und Servieren des Bürotees befaßte, gestand eine der Damen, diese Aufgabe so sehr zu hassen, daß sie häufiger mal ein dreckiges Spültuch über dem Teewasser auswringe.

Eine andere, die einen besonders verhaßten Chef bedienen mußte, würzte seinen Tee mit Flüssigseife oder alter Sojasoße. Er trank ihn trotzdem "Seine Geschmacksnerven müssen völlig ruiniert sein", kommentiert die 22jährige. Eine 25jährige Angestellte einer Maklerfirma berichtet von einem Abteilungsleiter, der einer Teedame abverlangte, ihm den einen Zuckerwürfel mit den Zähnen zu halbieren "Seitdem hassen ihn alle Frauen in der Firma Margaret Shapiro