Daß die Saudis weltweit die größten Ölreserven haben, ist hinreichend bekannt. Wenn es beim Förderniveau von 1989 – rund 250 Millionen Tonnen – bliebe, dann reichten die Vorräte des Wüstenstaates noch für mehr als 130 Jahre. Und seit Beginn dieser Woche wissen wir, daß neue Ölvorkommen gefunden worden sind, die die Produktion für zusätzliche dreißig Jahre sichern.

Diese Erkenntnis ist weltweit bejubelt worden, obwohl sie alles andere als eine Sensation ist. Denn wo immer man in Saudi-Arabien Löcher in die Erde bohrt, stößt man auf Öl. Und wenn es angesichts der bekannten Reserven nicht ziemlich überflüssig wäre, an allen Ecken des Landes nach Öl zu suchen, ließe sich das Volumen der bekannten Ölreserven leicht verdoppeln.

Aber wenn die Saudis gerade jetzt über zusätzliche Vorräte berichten, wollen sie damit offensichtlich die heißgelaufene Spekulation am Ölmarkt ein wenig abkühlen. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben – der Preis für Rohöl ist gesunken. Nun darf man darüber rätseln, wieviel die Nachricht aus Saudi-Arabien dazu beigetragen hat. Eingeleitet hat sie die Trendwende jedenfalls nicht, denn die Preise sind schon gefallen, bevor sich die Saudis zu Wort meldeten.

Und eigentlich haben die saudischen Reserven mit dem aktuellen Marktgeschehen auch überhaupt nichts zu tun. Sie erhöhen das Angebot am Weltmarkt sowenig, wie die Verheißung großer Ernten in der Zukunft einen Hungernden satt macht. Aber das Auf und Ab am Ölmarkt ist mit dem Verstand ohnehin nicht zu erfassen. Wo Angst und Hysterie regieren, greift man nach jedem Strohhalm.

Doch vielleicht wird die Jubelmeldung aus Saudi-Arabien auch als Signal dafür verstanden, daß der mächtigste der Opec-Staaten nicht tatenlos zusehen will, wie die Weltwirtschaft wieder einmal gegen alle Vernunft in eine Rezession gestürzt wird. Allein die Saudis sind in der Lage, die Lücke, die durch den Ausfall der Lieferungen aus dem Irak und aus Kuwait entstanden ist, zu schließen. Daß sie das nicht zu Lasten ihrer eigenen Zukunft tun, dafür sind die neuerlichen Ölfunde ein Beweis. hgk