Von Christoph Bertram

ZEIT: Herr Bergsten, können Sie europäischen Lesern erklären, ob die Kompromisse, die zur Zeit um den amerikanischen Haushalt ausgehandelt werden, für das eigentliche Problem, nämlich das riesige Haushaltsdefizit, überhaupt von Belang sind?

Bergsten: Ich glaube schon, daß es sehr viel ausmacht, ob die Vereinigten Staaten endlich etwas unternehmen, um ihren Haushalt unter Kontrolle zu bringen. Die amerikanische Wirtschaft treibt in eine Rezession. Wir haben aber keine fiskalischen Instrumente, um ihr zu begegnen, weil das massive und immer weiter zunehmende Haushaltsdefizit jede Fiskalpolitik unmöglich macht.

ZEIT: Selbst wenn Kongreß und Administration beschließen, das Defizit in fünf Jahren um 500 Milliarden Dollar zu kürzen, steigt das Gesamtdefizit weiter?

Bergsten: Ja, im Haushaltsjahr 1991, um das es zur Zeit geht, wird das Defizit wachsen, selbst wenn der Haushalt um die vorgesehenen 34 Milliarden Dollar gekürzt würde. Und die Rezession wird dieses Defizit zusätzlich ausweiten, weil sie Einbußen für die Staatseinnahmen bedeutet. Die Fünf-Jahres-Projektion basiert zudem auf Annahmen über die künftige Wirtschaftsentwicklung Amerikas, die in höchstem Maße unrealistisch sind: Sehr starkes Wachstum und sehr viel niedrigere Zinsen werden dort unterstellt. Deswegen ist es keineswegs sicher, ob wirklich Fortschritte bei der Defizitkürzung gemacht werden.

ZEIT: Also ist das Ganze nur ein Herumdoktern an Symptomen?

Bergsten: Es ist immerhin besser, als gar nichts zu tun, denn dadurch kann verhindert werden, daß die Lage noch schlimmer wird.