Gleich zweimal änderte der Schuhhersteller Bama drastisch sein Verkaufskonzept

Von Judith Reicherzer

Ralf Baumann hat sie alle geschockt; die Stammkunden, die Schuster und die Einkäufer der großen Schuhhäuser. Sogar die Marketingexperten fragten vor drei Jahren besorgt: Wieviel Schock verträgt eine Marke? Damals hat Ralf Baumann, der Chef der Bama-Werke im badischen Mosbach, wie wohl kein anderer deutscher Unternehmer vor ihm das Image des Familienbetriebes abrupt geändert: Von heute auf morgen schwappte der Zeitgeist ins Fußbett.

Seit drei Generationen stellt Bama Einlegesohlen und Schuhe her. Den Firmenstolz, das Fußbett aus echtem Moos, ließ der Großvater Curt Baumann sogar patentieren. Doch die Kundschaft für diese biedere Ware starb langsam aus. Die Umsätze sanken drastisch. „Wir hatten nur ein Pantoffelimage“, sagte sich Ralf Baumann. „Da mußte eine Revolution her.“ Also stellte er nach dem Tod seines Vaters rigoros auf avantgardistisches Design um – und schockte die alten Kunden.

Doch drei Jahre Sturm und Drang sind anscheinend genug. „Jetzt folgt auf die Revolution die Evolution“, befand Baumann und ändert wieder einmal kompromißlos sein Konzept. Die Branche triumphiert, denn der verlorene Sohn kehrt von seinem Ausflug in die Lifestyle-Szene zurück.

„Es ist Zeit, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen“, textete 1987 die Kölner Werbeagentur Meire & Meire. Die kreativen Brüder Marc und Mike Meiré, beide damals Anfang zwanzig, gestalteten den neuen Auftritt Bamas. Ihr Auftrag: weg vom Ruch des altbackenen Traditionsbetriebes. Eineinhalb Millionen Mark investierte Ralf Baumann, um das Unternehmen architektonisch in die Postmoderne zu katapultieren. An der grauen Fabrikwand ließ er eine riesige Schraubenmutter anbringen. Das Foyer geriet zum Szene-Treff: Ziegenfell vor der Telephonistin, rosa Säulen unter Plexiglas, Bauhaus-Schwinger, Halogenspots und zwei männliche Torsi. Nur die braunbeigefarbenen Toiletten und Schreibbüros zeugen noch vom Geist der siebziger Jahre.

Postmoderne in Mosbach