Staatsdiener der ehemaligen DDR, die in den öffentlichen Dienst des nun einigen Vaterlandes übernommen werden wollen, werden in diesen Tagen ersucht, die in der Bundesrepublik gebräuchliche Anfrage für die Treue zur freiheitlich demokratischen Grundordnung (FDGO) zu beantworten. Es ist ein harter Test. Hohe Anforderungen stellt er insbesondere an den für das Beamtentum unerläßlichen Glauben in die eigene Flexibilität. So lesen die neuen Mitbürger (verzweifelt, so wird kolportiert) zum Beispiel Frage 3:

"Haben Sie in der Fremdenlegion oder in sonstigen fremden Streitkräften einschließlich der Nationalen Volksarmee (NVA), der Volkspolizei (VOPO), der Grenzpolizei (GREPO) und der Kampfgruppen Dienst geleistet? Wenn ja, worin und wann?"

Frage 5: "Waren oder sind Sie, Ihr Ehegatte oder Ihre Verlobte beziehungsweise Ihr Verlobter bei einer fremden Regierung, einer zwischenstaatlichen oder überstaatlichen Einrichtung oder einer ausländischen Dienststelle oder im öffentlichen Dienst der Deutschen Demokratischen Republik oder in Ost Berlin beschäftigt, wenn ja, wer, Beziehungen welcher Art und zu wem?"

Frage 8: "Hatten oder haben Sie oder die mit Ihnen in einem Haushalt lebenden nahen Angehörigen (laut Ziffer 6 sind dies: Ehegatte, Kinder, - auch Stiefund Pflegekinder und deren Ehegatten , Eltern - auch Stief- und Pflegeeltern , Geschwister - auch Halb- und Stiefgeschwister - und deren Ehegatten, Schwiegereltern, Geschwister des Ehegatten auch Halb- und Stiefgeschwister , Verlobte - d. Red ) sonstige Beziehungen (wie verwandtschaftliche, geschäftliche, gesellschaftliche, kulturelle, sportliche, wissenschaftliche, technische und so weiter) in dem kommunistischen Machtbereich?"

Stellt sich noch eine letzte Frage: Wie werden wohl die gründlichen Bürger die Fragen "vollständig" und "der Wahrheit entsprechend" beantworten, nachdem der planwirtschaftliche Papiermangel nun endgültig behoben ist?

Der Autor des Artikels "Beinschere live" (Kinder Catchen in Hannover) in der vorigen Ausgabe heißt Markus Wollnik.