Im Empfangssalon wird der Ginseng-Tee in grün-goldenen Porzellantassen gereicht. Präsident Roh sitzt an der Schmalseite des Tisches – wo er auch sitzen würde, wenn er demnächst den Zwingherrn Nordkoreas zu begrüßen hätte. Er spricht davon, daß der ersten Nachkriegsgeneration im Süden noch immer der Schock des Bürgerkrieges im Nacken sitzt, daß sie gegenüber dem Norden feindselige Gefühle hegt und den Ruf nach Wiedervereinigung als reine Sentimentalität abtut. Die nachfolgende Generation jedoch sehe die Dinge anders. Sie habe Furcht und Feindseligkeit abgeschüttelt und sehe in der Wiedervereinigung ein erstrebenswertes Ziel. Nur, leider, sei es im Norden ganz anders: Da seien die Jüngeren noch mehr hard-line, noch verbohrter als die Alteren.

Doch Roh setzt auf den Wind des Wandels, der nun auch Asien erreicht hat: "Wir dürfen nicht die letzten Versprengten des Kalten Krieges sein, die letzten Überbleibsel des großen ideologischen Konflikts. Wir müssen weiter alles daransetzen, das Eis der Konfrontation zum Schmelzen zu bringen. Niemand kann verhindern, daß es auch auf der koreanischen Halbinsel wegtaut."