Noch immer krankt das deutsche Kurwesen an den Folgen der Gesundheitsreform. Zusehends erwächst außerdem Konkurrenz aus Ost und West. Mit einem Forschungsprogramm und einer neuen Marketingstrategie soll den Problemen begegnet werden.

Auch wenn Optimismus gepredigt wurde beim 86. Deutschen Bädertag in Bad Homburg v. d. Höhe – Sorgen gibt es genug. Zugenommen hat zwar die Zahl der stationären Kuren, bei denen die Versicherungsträger weitgehend die Kosten übernehmen. Die drastischen Einbußen bei den ambulanten Badekuren jedoch, bei denen der Patient den Löwenanteil zu tragen hat, konnten bei weitem nicht wettgemacht werden. Noch immer liegen die Zahlen mehr als ein Drittel unter dem Rekordjahr 1988.

Dabei steht die Konkurrenz schon in den Startlöchern. Im Osten locken Ungarn und bald auch die Tschechoslowakei mit ihrer langjährigen Kurtradition als interessante Ziele. Mit dem Binnenmarkt 1993 werden sowohl die italienischen als auch die französischen Kurorte die gesundheitsbewußten Deutschen umwerben.

Andererseits könnte aber die Bundesrepublik eine zahlungskräftige, ausländische Klientel anziehen, wenn es gelingt, das Produkt "Kur" als hochwertiges – und somit auch teures – Angebot geschickt zu vermarkten. So schielt man denn beim Deutschen Bäderverband nach dem betuchten Privatpatienten, der Infrastruktur, Ambiente und Qualität der deutschen Heilbäder zu schätzen weiß.

Um den Anforderungen der Zukunft zu begegnen, wird nun die Forschung verstärkt in den Vordergrund gestellt. Es gilt Effizienz und Effektivität vor allem der ambulanten Badekur (und ihrer Kosten) wissenschaftlich zu untermauern. Unter dem Schlagwort "Kurforschung 2000" soll eine grundsätzliche Studie den Forschungsrahmen. Idealbild eines Forschungsmodells wäre die wissenschaftliche Untersuchung im Kurort, eng verknüpft mit den Universitäten und allen am Kurbetrieb beteiligten Gruppen, vom Badearzt über den Informatiker bis zum Psychologen, und betrieben von hochqualifizierten, ambitionierten, jungen Wissenschaftlern. Ein teures Unterfangen.

Ums Geld drehte sich vieles beim Bädertag. Uwe J. Wachendorf, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bäderverbandes, sieht allerdings Anzeichen, Gelder vom Bund für ein gesamtdeutsches Marketingkonzept zu bekommen. Mit seinem Verband ging der Hauptgeschäftsführer hart ins Gericht. In ihrer jetzigen Verfassung könne die Organisation den Anforderungen der Zukunft nicht gerecht werden. Es sei unerläßlich, so Wachendorf, "daß wir alle gemeinsam an der Neustrukturierung unseres Verbandes und seiner Schlagkraft aktiv und engagiert mitwirken". Zielgerichtet, solidarisch und selbstbewußt solle fürderhin agiert werden.

Erste Punkte eines strategischen Konzepts, das den Bäderverband aus der Passivität holen und ihm eine feste politische Postition geben soll, sind bereits erarbeitet. Als Ziel gilt es, das Erscheinungsbild zu stärken, die Produktqualität zu verbessern und die Organisation neu zu strukturieren.

Das Marketingkonzept, das nun ausgebrütet werden soll, wird auch für die Kurorte in den fünf neuen Bundesländern gelten. Die Satzung des Bäderverbands wurde geändert, so daß als landesübergreifende Vereinigung die rund sechzig Kurorte der ehemaligen DDR nun als eigene Abteilung ordentliches Mitglied im Deutschen Bäderverband sind. Innerhalb von fünf Jahren soll es den Heilbädern gelingen, ihr Produkt nach und nach dem westlichen Standard anzupassen. put