Die Stimmung an den Weltbörsen beginnt sich langsam aufzuhellen. Während bisher eine kriegerische Auseinandersetzung am Persischen Golf als unvermeidlich galt, glauben die Börsianer jetzt auf einen Kompromiß hoffen zu können. Damit ist die Furcht vor einem neuen Kursrutsch zunächst einmal in den Hintergrund getreten. Da sich gleichzeitig der Ölmarkt deutlich entspannt hat und die Zinsen nicht mehr gestiegen sind, wagen sich Anleger wieder mit ersten Kaufaufträgen an die Aktienmärkte.

An der deutschen Börse schoß der Deutsche Aktien-Index schon am Dienstag über die 1500er Marke hinaus, obwohl der Anstieg immer wieder durch Gewinnmitnahmen unterbrochen wurde. Die deutschen blue chips wie Daimler, Siemens und Deutsche Bank oder die Allianz erzielten die größten Kursgewinne.

VW-Aktien blieben demgegenüber etwas zurück. Sie wurden durch Gerüchte über einen weiteren Gewinnrückgang des Volkswagenwerks im dritten Quartal belastet. Unter Druck gerieten zeitweise Bayer-Aktien. Auch hier war von zurückgenommenen Gewinnschätzungen die Rede. Daneben hat der Verkauf frei gewordener Belegschaftsaktien den Markt negativ beeinflußt. Zur Schaffung eines besseren Börsenumfeldes hat übrigens auch das Konjunkturgutachten der fünf führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute beigetragen.

Inländische Anleger interessieren sich, soweit sie nicht allein auf Kursgewinne fixiert sind, vor allem für Aktien solcher Unternehmen, denen der schwache Dollar Gewinne bringt. Das ist besonders bei den Warenhäusern und Einzelhandelsketten der Fall, deren Importe sich in den vergangenen Woche – soweit sie aus dem Dollar-Raum stammen – verbilligt haben. Da der Verbrauch in beiden Teilen Deutschlands zunimmt, brauchen in diesem Bereich die Gewinnschätzungen nicht korrigiert zu werden. Der Nachteil: Warenhaus- und Einzelhandelsaktien sind inzwischen schon recht teuer. Es gibt aber Ausnahmen. Als solche gelten beispielsweise Asko und AVA.

Unverdrossen gekauft werden Aktien der Bauwirtschaft, obwohl sie analytisch betrachtet ebenfalls auf phantasievolle Kurshöhen geklettert sind. Aber angesichts des noch jahrelang anhaltenden Baubooms glauben die Käufer, die hohen Preise bewilligen zu können. Für die Dresdner Bank war ihr gegenwärtiger Aktienkurs nicht hoch genug, um eine echte Kapitalerhöhung durchführen zu können. Zur Beschaffung neuen Eigenkapitals ist sie auf Genußscheine ausgewichen. K.W.