Zehn Tassen Granulat pro Tag? Dem Instant-Tee will die Industrie jetzt zum Durchbruch verhelfen.

Dieser Schrei, morgens um acht am 10. Oktober, er war noch auf dem Kontinent zu hören. Gerade als alle Harolds, Denis’ und Charles’ ihren Antonias, Margarets und Dianas die übliche cuppa China-Tee ans Bett gebracht und die Zeitung danebengelegt hatten, da ging der spitze Schrei hundertfach über ganz Großbritannien hinweg.

Eine Meldung auf Seite eins hatte die Britinnen aus ihren geblümten Kopfkissen hochfahren lassen. Die Tee-Industrie, Typhoo als Nummer eins voran, rüstet zum Angriff auf den Heiligen Gral. Zrrasss. Riesel. Platschplatsch. Millionenfach soll es fortan so klingen, wenn morgens jenes Heißgetränk zubereitet wird, das den Beitrag Großbritanniens zur Kultur der Menschheit schlechthin darstellt. Als Granulat, imagine! Ein Teelöffel davon in die Tasse, heißes Wasser drüber, umrühren, fertig. Beuteltee, das war schlimm genug. Nun aber soll der Tee fit gemacht werden für das nächste Jahrtausend.

Eine zehn Millionen Pfund teure Werbekampagne wird den Instanttee salon- und schlafzimmerfähig machen. "Narren poltern herein, wo Engel nicht zu schweben wagen", an diese britische Folklore-Erkenntnis läßt die Unverfrorenheit der Branche denken. Instanttee, prahlt ein Typhoo-Manager, werde endlich die "Mauer des Mißtrauens" einstürzen lassen. Kein Unterschied im Geschmack, viel besser als das Zeug aus Automaten, ist das kühne Versprechen.

Was zu beweisen wäre. Margaret, Diana und Antonia lassen das Blatt sinken und denken an jene Reise, als sie vor etlichen Jahren auf dem Kontinent zum ersten Mal gefriergetrockneten Kaffee probierten und feststellten, daß dieser Fortschritt nichts als eine geschmacklose Banalisierung war. Für sie freilich nur ein Beweis mehr für die Überlegenheit britischer Lebensart: derbe braune Kaffeebohnen und zarte Teeblätter trennen Welten; die lassen längst nicht dasselbe mit sich anstellen. Löslicher! Really, my love.

Schlauerweise haben jetzt die Granulat-Propheten auf die Faulheit der Männer gesetzt (die immer schon zumindest für die morgendliche Teezubereitung verantwortlich sind). Zum Kühlschrank gehen, Tür öffnen, Milchtüte herausnehmen – dieser Arbeitsgang soll fortan entfallen. Gleich bei der Fabrikation wird nämlich dem Teegranulat ein "entrahmter Teeweißer" untergemengt, bestehend aus Glukose, Sirup, Pflanzenfett und Emulgatoren (Margaret: "We are not amused." Diana und Antonia spülen den schlechten Geschmack im Mund mit einem Schluck Assam herunter). Damit wäre jene klassentrennende Frage "Erst Milch, dann Tee oder umgekehrt?" in den Papierkorb der Soziologie befördert; und das ist unseren Freundinnen auf der Insel nicht recht. Nachdenklich lassen sie den Blick auf der bauchigen Kanne ruhen, in der noch mindestens drei Tassen warten. Der Typhoo-Manager Bill Brodie, lesen sie mit Stirnrunzeln, setzt vor allem auf Yuppies, Popper und Freaks, denen alles recht ist, was schnell geht. "Daß der Tee nicht aus der Kanne kommt, macht denen keine Kopfschmerzen."

600 Millionen Pfund werden in Großbritannien jährlich für Tee ausgegeben, davon allerdings immer weniger für losen Tee, dem die schlaffen Beutel schon hart zugesetzt haben. Bloß als Schmuckpackung werde jener überleben, protzen die Typhoo-Vortrinker, ein rührendes Fossil gestriger Umständlichkeiten.