Helmut Kohl präsentiert sich als sicherer Sieger, Oskar Lafontaine gerät in die Rolle des Außenseiters

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Oktober

Sanft und milde, es sitzt ja kein chancenloser Oppositionskandidat auf dem Sofa, befragen die zwei Journalisten im ZDF den Kanzler. Was nun, Herr Kohl? Kohl hat es nicht sonderlich schwer mit den Antworten.

Auch auf Bitten um kurze Repliken holt er weit aus wie gewohnt, von der Westachsen-Verschiebung in Deutschland zur pionierhaften Gesinnung, die heute wieder nötig sei, vom "Verfettungszustand" seiner Partei und Abnutzungserscheinungen der Koalition bis zur persönlichen Nähe, die er zu Michail Gorbatschow empfinde. Irgendwann mündet das in der zufriedenen, vagen Bemerkung: "Es macht im Moment Freude, in Deutschland zu arbeiten."

Kohl nennt sich einen "optimistischen Realisten". Er weiß, daß er nicht abgewählt wird am 2. Dezember, nur die allzu große Siegessicherheit macht den erfahrenen Wahlkämpfer noch verdrießlich. Es ist keine originelle Fernsehstunde geworden, die man erlebt, aber ein typischer Kohl-Auftritt. Der Kanzler weiß, was er loswerden will. Er legt sich nicht hundertprozentig fest, nicht einmal in Sachen Steuererhöhung. Er bleibt lieber vorsichtig. Er fährt die Ernte in die Scheuer, das merkt man ihm an. Dabei läßt er sich von niemandem mehr behindern. Natürlich auch nicht von den Journalisten.

Buhmann der Nation