Kennen Sie die Hamburger Deichtorhallen? Richtig: Das war mal so etwas wie der Münchner Viktualienmarkt, nur größer und mit Dach. Aber dann wurden sie für den Großhandel zu klein, standen leer herum an der Oberbaumbrucke, und der Abrißgeier kreiste über den beiden Glasdächern. Da tauchte ein edler Ritter auf, der das Aschenputtel-Dornröschen von oben bis unten neu herausputzte und es den Hamburgern so zum 800. Hafengeburtstag präsentierte. Kurt von Bergedorf hieß er, denn heute heißt man nicht mehr August der Starke. Hamburgs Kultursenator tirilierte: All der Platz von Kohl und Petunien jetzt für die Kunst! Und weil der Kultursenator immer so viel Geld ausgeben muß, was er nicht hat, wollte er gleich mit dem Sparen beginnen. Er engagierte einen Direktor, der nichts kostete (außer Reisekosten). Und lebten glücklich für den Rest ihrer Tage?

Das war einmal. Das Hamburger Märchen jedenfalls war nach einem Jahr schon wieder zu Ende. Denn die Kunst hat doch weniger Kunden als Kohl und Petunien: Recht leer blieben die großen Hallen. Zweite Erkenntnis: Auch ein kostenloser Direktor ist zu teuer, wenn er, nun ja, ohne Fortune ist.

Mit den Versuchen, diese Mißstände zu beheben, befinden wir uns nun leider wieder mitten in der hamburgischen Realität. Man beschloß, sich zum Jahresende von dem Direktor zu trennen. Und ging nun auf die Suche nach der richtigen Frau, dem richtigen Mann? Keineswegs. Der technische Assistent, der ab August nächsten Jahres dem neuen Direktor der Hamburger Kunsthalle beistehen soll, wird nun zwischendurch die Deichtorhallen leiten. Das nennt man Pragmatismus – und den künftigen Kunsthallendirektor soll’s wohl auch freuen. Soll er, à propos Sparen, vielleicht neben der Kunsthalle samt Neubau auch 8000 Quadratmeter Deichtorhallen lenken? Wie wär’s noch mit Hagenbecks Tierpark?

Ach, und fast hätten wir’s vergessen: das Ausstellungsprogramm! Da winken Projekte, die Hamburg als autonome Kunstmetropole so richtig ins Rampenlicht setzen: zum Beispiel die Sammlung des emeritierten Präsidenten der Kunsthochschule und eine juryfreie Ausstellung Hamburger Künstler, wobei man den Direktor endgültig einsparen, dafür aber mit dem Besuch aller Hamburger Künstler (und ihrer Angehörigen) rechnen kann. Und da dann alle Probleme gelöst sind, wird’s doch wieder ein Märchen.

Finis