Die vier Flughäfen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR müssen mit rapide zunehmendem Verkehr fertig werden. Immer mehr Linien drängen nach Berlin-Schönefeld, Regionalfluggesellschaften steuern Dresden, Leipzig und Erfurt an.

Der Durchschnittsbürger im Osten Deutschlands ist bislang nur alle fünf Jahre einmal in ein Flugzeug gestiegen; die Landsleute im westlichen Teil dagegen fliegen rein statistisch sechsmal soviel. Im vergangenen Jahr wurden auf allen vier Verkehrsflughäfen – Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt – zusammen weniger Fluggäste gezählt, als allein vom Berliner Flughafen Tegel aus in die Luft gingen: Rund 3,5 Millionen Passagiere benutzten die Ost-Flughäfen, die überwiegende Mehrzahl, 2,9 Millionen davon, Schönefeld.

Für den Renommierflughafen war 1976 ein modernes Abfertigungsgebäude fertiggestellt worden mit einer Kapazität von zwei Millionen Fluggästen jährlich. Bereits 1980 jedoch war diese Auslastungszahl erreicht. Da ein weiterer Ausbau zunächst nicht geplant war, mußte immer mehr Verkehr auch über die anderen Flughäfen abgewickelt werden. So ist Dresden-Klotzsche Ausweichplatz für Berlin-Schönefeld und daher rund um die Uhr geöffnet. Der Terminal wurde kürzlich modernisiert und soll 1991/92 so erweitert werden, daß bis zu 600 000 Passagiere jährlich abgefertigt werden können. Rund 600 000 Fluggäste können unter den gegenwärtigen Bedingungen jährlich vom Flughafen Leipzig-Schkeuditz abheben, dem als Messeflughafen besondere Bedeutung zukommt.

Vor allem in Berlin aber werden die Kapazitäten nicht reichen. Wurden auf den drei Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld im letzten Jahr knapp neun Millionen Passagiere abgefertigt, so schätzt man die Zahl der Fluggäste nun auf jährlich zwanzig bis dreißig Millionen.

Deshalb wird es nötig sein, kurzfristig die vorhandenen Flughäfen auszubauen and eventuell auch Gatow im ehemaligen britischen Sektor miteinzubeziehen. Denn ein neuer Großflughafen könnte in keinem Fall vor der Jahrtausendwende fertig sein. Schon jetzt drängt es immer mehr Airlines nach Berlin. Die Lufthansa benutzt nicht nur Tegel, sondern wird zum Winter von Schönefeld aus nach Moskau fliegen und mit New York-Newark und Tokio auch Langstreckenziele ansteuern. Singapore Airlines hat kurz vor der Vereinigung die Linie zwischen Schönefeld und Singapur aufgenommen, aber noch weitere westliche Gesellschaften wollen in Schönefeld landen.

Haben Lufthansa und die damalige DDR-Gesellschaft Interflug vor zehn Monaten gerade vier Verbindungen pro Woche im innerdeutschen Flugverkehr angeboten, so wächst diese Zahl zum Winter auf neunzig wöchentliche Flüge. Von Hamburg, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt, Stuttgart und München aus erreicht man dann die sächsischen Metropolen Dresden und Leipzig. Auch internationale Verbindungen gibt es nach Sachsen. Zum Beispiel fliegt KLM von Amsterdam nach Dresden.

Da die Straßen nach wie vor in schlechtem Zustand sind und die Reichsbahnstrecken nur Langsamfahrten zulassen, können die Regionalfluggesellschaften mit zahlreichen Geschäftsreisenden als Passagieren rechnen. Ob Hamburg Airlines, RFG Regionalflug oder NFD, die Turboprops verbinden die Wirtschaftszentren im Westen schnell mit den Industrierevieren im Süden der ehemaligen DDR, und auch Erfurt wird von Frankfurt, München und Nürnberg aus bedient. Klaus J. Scheidler