Von Richard Perle

WASHINGTON. – Wenn Saddam Hussein morgen seine Truppen aus Kuwait abzöge, würde die ganze Welt erleichtert aufatmen. Die irakische Aggression wäre beendet; die Vereinten Nationen sowie Präsident Bush und seine geschickt zusammengehaltene Anti-Hussein-Koalition würden triumphieren.

Aber ein freiwilliger Rückzug des Irak, der nicht einherginge mit der Zerstörung der riesigen Kriegsmaschinerie des Landes, würde die westliche Welt auch weiterhin einer ernsthaften Gefahr aussetzen. Innerhalb kürzester Zeit würde die Freude in Verzweiflung umschlagen, sich der Sieg in eine Niederlage verwandeln. Denn für Stabilität und Sicherheit in der Golfregion hätte die bloße Wiederherstellung des Status quo ante verheerende Folgen. Husseins Armee könnte sich zu Hause in aller Ruhe auf ihr nächstes Abenteuer vorbereiten und Angst und Schrecken in all jenen Ländern verbreiten, die sich in ihrer Reichweite befinden.

Wie sollte sich denn eine wiederhergestellte kuwaitische Monarchie etwaigen zukünftigen Forderungen Husseins erwehren? Während die amerikanischen Truppen daheim den erfolgreichen Abschluß ihrer Mission feierten, bliebe Kuwait doch genauso verwundbar wie vor dem irakischen Überfall am 2. August. Außerdem müßten auch die Saudis und die Golf-Emirate mit der Furcht leben, jederzeit das nächste Opfer des Irak zu sein.

Was würde wohl König Fahd von Saudi-Arabien sagen, wenn eines Tages vor dem nächsten Opec-Treffen Saddam Hussein bei ihm anriefe und vorschlüge, den Ölpreis auf vierzig Dollar pro Barrel festzulegen? Welche Antwort hätte das wiedereingesetzte Sabah-Regime in Kuwait parat, falls der irakische Außenminister Tarik Aziz darum bäte, die irakischen Schulden zu streichen?

Sollte das irakische Militär die gegenwärtige Krise unbeschadet überstehen, wird Saddam Hussein die gesamte Golfregion beherrschen. Er könnte der westlichen Welt den Daumen auf die Kehle drücken, wann immer es ihm paßt.

Wegen der düsteren Aussichten für eine diplomatische oder politische "Lösung" des Golfkonflikts ist es für die USA gefährlich, auf Verhandlungen zu setzen oder darauf zu hoffen, daß die Wirtschaftssanktionen die Irakis aus Kuwait vertreiben. Bei dieser Marschrichtung setzten wir uns nur dem Risiko einer plötzlichen politischen oder diplomatischen Wende aus, die es dem Irak ermöglichte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.