Die Bühne ist leer, der klägliche Rest der Räuberbande in der Versenkung verschwunden. Düster ragen die Mauern der alten Burgruine gegen einen fahlbunten Himmel. Doch dann betritt noch einmal ein Mensch (oder das Gespenst eines Menschen?) die öde Stätte. Der alte Moor, längst totgeglaubt, irrt geisterbleich durch sein verlassenes Reich – in seinem Mund steckt qualmend eine Zigarre, über seinen Schultern hängt nun auch eine Trommel, wie sie die Räuber getragen haben.

Ein alter Narr, vollends kindisch und verrückt geworden? Oder Gottvater selber, der durch die traurigen Reste seiner mißratenen Schöpfung wandert? Die letzte Szene von Alexander Langs Berliner "Räuber"-Inszenierung ist auch die stärkste – in einem sonst eher halbstark auftrumpfenden Spektakel. Die brüllenden Räuber, die lärmenden Entertainer, die zappelnden und rappelnden Schillermarionetten, haben die Bühne und das Stück verlassen. Zurück bleibt der Schauspieler Walter Schmidinger, der einzige Mensch in der Aufführung und in dieser Szene auch: der letzte.

Ein Moment der Stille, schnell vorbei. Denn jetzt machte das Publikum, was zuvor das Theater dreieinhalb Stunden lang machte: Tumult. Es bejubelte die Künstler, und es schrie sie nieder.

Vier Direktoren hat nun das Berliner Schiller-Theater nach Heribert Sasses ruhmlosem Abgang. Mit vier Premieren auf einen Schlag zeigte die neue Mannschaft ihre Kräfte (und zugleich ihre Ohnmacht). Manchmal in diesen vier Theatertagen schien der Untergang der Neuen schon nahe. Am Ende, nach den "Räubern", kann man sagen: Sie haben den Anfang überlebt.

Durch die Ruinen geht der totgeglaubte alte Moor. Seine Zigarre ist noch heiß, und gleich wird er anfangen zu trommeln.

Panzer. Flügelkleid.

Das erste Wort, so muß es sein, hat Schiller. Mit einem Schiller-Abend, Leitung Alfred Kirchner, beginnt die Premieren-Tetralogie. Der Titel des kurzen Abends, natürlich von Schiller, klingt wie ein holdes Versprechen: "Der schwere Panzer wird zum Flügelkleide."