Von Heinz Blüthmann

Das kleine Schild, das sich Trucker an ihre Vierzigtonner schrauben, kundigt das kommende Chaos auf den Straßen hierzulande treffender an als die meisten Professoren-Prognosen "Wer durch die Holle will", steht da in Blech gehämmert, "muß wie der Teufel fahren "

Auch schwarzer Humor wird dann freilich nicht helfen Die letzte Phase der Auto-Mobilitat steht bevor – und die wird fürchterlich Das Straßennetz kann nicht mehr wirklich wachsen, aber immer noch steigt die Zahl der Fahrzeuge Nahezu eine Million Personenwagen kommen alle zwölf Monate zu der schon vorhandenen 30-Millionen-Flotte hinzu Und immer mehr Guter sollen in immer mehr Lastwagen auf den Pisten aus Asphalt und Beton rollen – statt auf der Schiene

Die Zeichen für Handel und Wandel stehen auf Jahre hinaus auf Boom – und Handel heißt Transport Der europäische Binnenmarkt, ebenso unaufhaltsam wie die deutsche Einheit, die Öffnung nach Osten und der anhaltende Drang der Industrie, ihre Lager zugunsten von Lkw-Kolonnen aufzulösen, weil es billiger ist – all das beschleunigt das Drama auf der Straße Gut kann es nicht ausgehen

Vierzig Prozent mehr Güterverkehr per Lastwagen bis zum Jahr 2000, so die oft genannte Schätzung der Experten, erscheinen da eher als untere Grenze für die horrend zunehmende Transportnachfrage Aber wie sollen die Straßen selbst dieses Plus verkraften’ Noch mehr Lastzuge in der auch weiter wachsenden Pkw-Masse können schon in absehbarer Zeit nur eines bedeuten Der verfügbare Straßenraum wird schlicht uberfordert, der Verkehr verdichtet sich zum Stillstand

Die immer zahlreicheren Staus "aus dem Nichts", also ohne Unfall als Ursache, haben Fachleute längst alarmiert Denn sie beweisen Die Kapazitatsgrenzen vor allem von Autobahnen sind gefährlich nahe und werden oft auch schon uberschritten "Das spielt sich alles bereits an der Obergrenze ab", bestätigt Verkehrsingenieur Frank Muller von der Bundesanstalt für Straßenwesen Vierspurige Autobahnen können stündlich maximal 3500 Fahrzeuge je Richtung durchlassen, weiß er Das Modell-Tempo beträgt dabei achtzig Stundenkilometer Wird schneller gefahren, sinkt die Kapazitat

Für private Autofahrer sind Staus ärgerlich, denn sie kosten Zeit Die Besorgnis der Experten aber hat einen anderen Grund Für die Unternehmen sind Staus teuer, denn sie kosten auch Geld Dauerstaus wirken auf die Wirtschaft wie ein Infarkt Ohne Straßenverkehr läuft nichts Fast achtzig Prozent aller Guter werden hierzulande per Lkw befordert Eine eklatante Fehlentwicklung der ökonomischen Strukturen – nicht nur in der Bundesrepublik, aber im wichtigsten Transitland Europas besonders folgenschwer – tritt damit immer deutlicher zutage Die Automobilindustrie, seit Jahrzehnten größter Arbeitgeber und unbestrittener Wachstumsmotor für Wirtschaft und Wohlstand, mutiert zur Bremse Denn ihre massenhaft ausgestoßenen Produkte blockieren die lebenswichtigen Verkehrsadern Aus der Stimulanz von gestern ist ein lahmendes Gift geworden