ZDF, Montag, 29. Oktober, 22.55 Uhr: "Neues vom Tage – du plebejische

Nachricht"

Eine "Werkstatt Film / Fernsehen", deren Mentor Alexander Kluge ist, hat den Film produziert: ein "Raster in fünf Kapiteln". Wir sehen ein Experiment, experimentiert wird also auch mit uns.

Man prüft, was von den buntgewürfelten letzten Meldungen, die wir hier musikalisch, graphisch oder videotechnisch verfremdet vorgesetzt bekommen – was von dieser "letzten Seite" einer Sonntagszeitung hängengeblieben ist, wenn plötzlich der Abspann rollt, urverfremdet, unkommentiert, ungebremst. Man prüft uns, und das ist mühsam. Min prüft unsere Assoziationsfähigkeit, wenn Feuerwehrleute immer wieder und fiel zu ausführlich ihre drögen Wahrnehmungen des Feuersturms in der Frankfurter Oper zum besten geben.

Die unbeholfene Schilderung eines Feuersturms ist alles andere als fesselnd, so daß man Zeit hat, über den Zusammenhang eines solchen mit einem Fernsehapparat nachzudenken. Beide üben einen Sog auf ihre Umgebung aus, und was dem Sog erliegt, verbrennt. Mit dem Unterschied, daß Feuer wirklich brennt und das Fernsehen nur so tut. Der Feuerwehrmann, der die vom Sog versperrte Eisentür zur Opernbühne endlich mit der Brechstange geöffnet hat und sofort mit Helm und Schlauch in den Brandherd geschleudert worden ist, der hat wirklich etwas erlebt. Mit mir aber ist nur ein bißchen gezündelt worden.

Der Wetterbericht wird zitiert, jeweils vom Neujahrstage, die immergleiche Wetterkarte, das immergleiche Gesicht des Sprechers: Das sind Lebensjahre gewesen. Sturmfluten sehen wir, Sandstürme, überraschte Menschen sehen wir staunend in die Tiefe stürzen – warum hat man uns das nicht vorhergesagt?

Wir sehen einen Selbstmord, live. Im Fernsehen, also doch nicht live. Wir sehen: Live ist nur, wenn man sich selbst umbringt. Insofern ist der Film schon lehrreich. Es ist Fernsehen, das sein eigenes Unvermögen preisgeben will. Flüchtige, "abwinkende" Bilder, die nur den Überdruß an sich selbst mitteilen. Kleine Sehorgien, die rasch unterbrochen werden von schlichten graphischen Zeichen. Bis wir die Lektion gelernt haben: Da lebt nichts, am wenigsten wir selbst. Wo hinein wir da immer wieder gezogen werden, es ist flach und leblos, ein Trug.