Ein Sammelband zieht eine Bilanz der Forschungen über Friedrich Ebert

Von Karlheinz Dederke

Friedrich Ebert war sicherlich eine Symbolfigur der deutschen Geschichte. Nach dem Sturz Wilhelms II., des deutschen Kaisers und Königs von Preußen aus altem Hohenzollerngeschlecht, nahm der Sattler aus kleinbürgerlichproletarischem Milieu das höchste Staatsamt wahr. Nie wieder hat ein Angehöriger der Arbeiterschaft diese Stellung eingenommen. Nach seinem Tode 1925 wählten die Deutschen Paul von Beneckendorff und Hindenburg, den Repräsentanten der alten Elite aus Junkertum, Militär und feudalisiertem Bürgertum, zu seinem Nachfolger. Aber war Ebert mehr als eine Symbolfigur? War er ein großer Arbeiterführer, der Begründer der deutschen Demokratie, ein Staatsoberhaupt von Würde und Wirkung? Die Antworten aus den politischen Lagern fielen auch nach 1945 extrem gegensätzlich aus: Wie die Rechte nach der Novemberrevolution 1918 bezeichneten viele Linke ihn als Verräter, nun nicht mehr des eigenen Landes, sondern der Arbeiterklasse. Andere feierten ihn als Retter vor dem Bolschewismus, als Garant der parlamentarischen Demokratie. Dies taten mehr bürgerliche Politiker, weniger sozialdemokratische Genossen. Es wurde nicht versucht, ihn zur Kultfigur der Partei zu stilisieren.

Eine Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, "die Erinnerung an den deutschen Staatsmann und großen Sozialdemokraten Friedrich Ebert lebendig zu halten", könnte allerdings den Anschein erwecken, dies nachholen zu wollen. Das Symposium, das 1989 zur Eröffnung der Gedenkstätte veranstaltet wurde, zerstreut jedoch diese Befürchtungen; denn die teilnehmenden Wissenschaftler bemühten sich um eine differenzierte Sicht. In den acht Referaten, die nun zu einem Buch zusammengefaßt wurden, mangelt es nicht an kritischen Urteilen:

  • Rudolf König, Hartmut Soell,

Hermann Weber (Hrsg.):

Friedrich Ebert und seine Zeit