Von N.R. Kleinfield

NEW YORK. – Rhett bekommt ausschließlich höchst proteinhaltige Nahrung und rührt niemals Reste an. Jede Woche besucht er einen Friseur, wo er ein langes wohltuendes Bad nimmt und sich sein Haar richten läßt.

Um fit zu bleiben, tollt er in einem gläsernen, klimatisierten Gymnastikraum herum, der sich in seinem großzügigen Zuhause in Atlanta befindet. Jedes zweite Wochenende springt er in den Jeep und saust zu einer Berghütte in North Carolina. Fünf- bis sechsmal im Jahr vergnügt er sich in einem Haus am Strand von Hilton Head, South Carolina.

Das ist beileibe kein schlechtes Leben. Aber glauben Sie ja nicht, Rhett wäre der einzige Hund, dem es so gutgeht. Noch nie haben so viele Tierbesitzer ihre Hausgenossen so schamlos mit Luxusgütern überschüttet. Entgegen allen anderslautenden Prophezeiungen frönen Hunde und Katzen einem hochgradig verhätschelten Lebensstil: erstklassiges Essen, fürstliche Kleidung, schickes Mobiliar, wöchentliche Pflege in den besten Salons und eine umfassende medizinische Vorsorge – ein Aufwand, über den die Tierliebhaber wohl zweimal nachdächten, gelte er ihrer eigenen Mutter.

"Die Verstädterung unseres Lebens hat dazu geführt, daß Haustiere und deren Besitzer enger zusammenwohnen als früher; dadurch ist der Wert des Haustieres gestiegen", sagt Dr. Michael Garvey, Leiter der Medizinischen Abteilung im New Yorker Veterinärzentrum.

Brent Collinson, ein vierzigjähriger Grundstücksmakler, hat sich Rhett, einen Golden Retriever, zugelegt, damit er sein Junggesellenleben mit ihm teilt. "In den neunziger Jahren, in denen soviel Verrücktes passiert und in denen es immer mehr Singles gibt, neigt man dazu, sich ein Haustier als Kameraden und Freund zu suchen", meint er.

Um aus dieser Neigung Kapital zu schlagen, steigen inzwischen einige Unternehmen der elf Milliarden Dollar schweren Haustierindustrie auf teurere Produkte um. So kann das bloße Füttern der kleinen Lieblinge plötzlich zum Problem werden – man darf doch schließlich nicht irgendeine alte Dose öffnen!