Es muß nur das Kartellamt kommen, den bösen Multis auf die Finger klopfen, gleich hat es ein Ende mit der unverschämten Preistreiberei. Dieser Eindruck drängt sich beinahe zwangsläufig auf. Schließlich sind die Benzinpreise am vergangenen Freitag zeitgleich mit der Anordnung von Höchstpreisen durch das Kartellamt gesunken.

Aber der Eindruck täuscht. In Wahrheit waren die Benzinpreise schon vorher auf dem Weg nach unten, weil die Ölgesellschaften in Rotterdam billiger einkaufen konnten. Und wenn man den Berliner Wettbewerbshütern unterstellt, daß sie die Markttendenz erkannt und angeordnet haben, was sowieso geschehen wäre, dann tut man ihnen wohl nicht Unrecht. Mitläufertum nennt man das.

Inzwischen ist der Markt weit über das hinausgegangen, was das Kartellamt gefordert hat. Die Preise sind zu Beginn der Woche weiter gefallen und liegen inzwischen um gut acht Pfennig je Liter unter dem Höchststand von Mitte Oktober, sind aber immer noch um acht Pfennig höher als vor Ausbruch der Golfkrise. Wer da eilfertig die Preissteigerungen auf ein volles Jahr hochgerechnet hat und zu zweistelligen Milliardenbeträgen gekommen ist, der muß seine Ergebnisse nun korrigieren. Wo kein Mangel ist, können sich die Symptome einer Mangellage offenbar nicht lange halten.

Der Markt funktioniert jedenfalls, auch wenn seine Reaktionen auf das Geschehen am Golf mit dem gesunden Menschenverstand nicht immer nachzuvollziehen sind. Deshalb gibt es auch keinen Anlaß zur Entwarnung. Die Krise kann uns täglich wieder einholen und uns neuerliche Preissteigerungen bescheren. Es sei denn, das Kartellamt verbietet sie durch eine einstweilige Anordnung. hgk.