Wochenlang haben sie sich geschlagen, nun marschieren sie vereint auf die Marktwirtschaft zu: Reformökonomen und Planbürokraten verständigten sich am Ende doch auf Gorbatschows Kompromißprogramm. So hoffen sie, einen Rest von Vertrauen in Rubel und Regierung zu bewahren – und die Sowjetunion vor dem Zusammenbruch zu retten.

Der Versuch, zum ersten Mal eine zusammenhängende Finanz-, Geld-, Steuer- und Strukturpolitik einzuführen, ist für die Sowjetunion eine enorme Neuerung. Bis diese Instrumente wirken, wird es freilich lange dauern, weil es kaum Verwaltungsfachleute gibt, die sich in den Realitäten des Landes wie in den Grundsätzen der Marktwirtschaft auskennen. Immerhin kommen die Reform der Eigentumsordnung, die angekündigte Gewerbefreiheit und die Garantien für ausländische Investitionen den Bedingungen entgegen, die EG und G7, Washington und der Internationale Währungsfonds dem Kreml gestellt haben.

Wenn nicht die politische Krise des Sowjetreiches den Wirtschaftsreformern einen Strich durch die Rechnung macht. Die Kriminalität wächst, Gerüchte über einen Putsch der Armee wollen nicht verstummen. Selbst der Innenminister muß einräumen, daß er die Stabilität des Landes nicht länger garantieren kann. Hinzu kommt der nationale Aufruhr in den Republiken: Die Ukrainer wollen ihr Gebiet inzwischen mit eigenen Soldaten schützen.

Unklar bleibt überhaupt, wie die Notwendigkeit eines gemeinsamen sowjetischen Markts mit der Souveränität der fünfzehn Republiken vereint werden kann. Bis der Markt über den Schwarzmarkt, die Nationalökonomie über den neuen Nationalismus und den alten Kolonialismus triumphieren können, stehen dem wankenden sowjetischen Riesen noch schwere Zeiten bevor. M.H.

(Siehe auch Seite 3 und Seite 36)