Die BASF-Tochter Wintershall macht der Ruhrgas die Alleinherrschaft streitig

Von Heinz-Günter Kemmer

Klaus Liesen, der Vorstandsvorsitzende der Ruhrgas AG, war sich seiner Sache sicher. Die Treuhandanstalt hatte seinem Unternehmen 35 Prozent vom Kapital des DDR-Unternehmens Verbundnetz Gas AG (VNG) zugesprochen, weitere zehn Prozent waren für die BEB Erdgas und Erdöl GmbH reserviert, die wiederum mit gut einem Viertel an der Ruhrgas beteiligt ist. Dem Übergang der DDR-Gaswirtschaft auf den Branchenführer aus Essen schien nichts mehr im Wege zu stehen.

Der Ruhrgas-Chef war überdies ein wenig stolz darauf, sich mit nur 35 Prozent des VNG-Kapitals begnügt zu haben. Denn immerhin standen zur gleichen Zeit – es war im August – die drei großen Elektrizitätsversorger Bayernwerk, Preussen-Elektra und RWE am Pranger, weil sie sich mit schnellem Zugriff gleich die gesamte Stromwirtschaft der DDR unter den Nagel reißen wollten. Die Ruhrgas nahm sich da vergleichsweise moderat aus.

Aber das Risiko einer möglichen Überfremdung mochte Liesen natürlich nicht eingehen. Deshalb machte er sich gern den Vorschlag der VNG zu eigen, Länder und Kommunen der DDR mit dreißig Prozent an der VNG zu beteiligen. Das Geld dafür wollte Liesen den Interessenten aus der DDR vorschießen. Und damit hätte er sich einen Kreis von verbündeten Aktionären gesichert und die VNG – trotz aller Bescheidenheit – beherrscht.

Eine simple Erklärung

Aber die Treuhandanstalt mochte wohl nicht so verfahren, wie es Liesen und die VNG vorgeschlagen hatten. Bei ihr häuften sich schließlich viele Anträge auf Beteiligungen an der ostdeutschen Ferngasgesellschaft – es gab weit mehr Interessenten als Aktien.