Gustav Starzmann machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Mit "enttäuschender Deutlichkeit", so der sozialdemokratische Agrar-Experte, haben die SPD-Abgeordneten im bayerischen Landtag die Erneuerung vehindert: Der alte und neue Fraktionschef heißt Karl-Heinz Hiersemann – eben jener Genosse, der als Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen den "Roten" das miserabelste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte eingefahren hatte. In Bayern, so scheint’s, erschüttern selbst politische Erdbeben parteiliche Machtstrukturen nicht.

Immerhin will Rudolf Schöfberger nach dem Wahldebakel seinen Stuhl als Landesvorsitzender räumen. Er wollte freilich nicht allein als Sündenbock herhalten und meinte mit Blick auf Hiersemann: "Wir sind gemeinsam untergegangen."

Der aber klammerte sich um so fester an seinen Posten, je lauter es an der Partei-Basis grummelte. Dort vergißt man die schwerwiegenden wahltaktischen Fehler des Top-Mannes (Stichwort: "Schmusekurs" mit der CSU) nicht so schnell, ganz im Gegensatz zu den ins Maximilianeum eingezogenen Sozialdemokraten: Sie sprachen ihm das Vertrauen aus, Gegenkandidat Starzmann, einer der "Rebellen", hatte keine Chance.

Hiersemanns Wiederwahl spricht nicht gerade für die Lernfähigkeit und den Reformwillen der bayerischen SPD. Verkrustetes Programm, veraltete Organisation, verhärmte Parteiführung: Eine derart heruntergekommene Opposition sichert die politische Hegemonie der CSU.

Die Modernisierer unter den weißblauen Sozialdemokraten hoffen nun auf die agile Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt. Sie wäre bereit, die Nachfolge Schöfbergers anzutreten. Ob dieser "sozialdemokratische Glücksfall" (Frankfurter Rundschau) in diesem Amt glücklich wird? ill