Für die sechs Beobachter der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace verebbte die vierwöchige Mittelmeer-Konferenz der KSZE in einem unverbindlichen Palaver. „Die Delegationsmitglieder waren überwiegend Diplomaten“, so Greenpeace-Sprecher Xavier Pastor, „die von Umweltschutz nur wenig verstanden und die oft nicht wußten, worüber sie reden sollten.“

Ist dieses erste KSZE-Mittelmeertreffen über das verschmutzte, fast zur Kloake gewordene „mare monstrum“ tatsächlich eine Farce gewesen? Das auf Palma de Mallorca verabschiedete Schlußdokument geht gewiß nicht als Magna Charta in die internationale Ökologie-Bewegung ein, wie dies einige Diplomaten erhoffen.

Zwar wurde das umstrittene „Verursacherprinzip“, also die Frage nach den schlimmsten Schmutzfinken bei der Verunreinigung des Mittelmeeres, noch in letzter Minute in die Präambel geschrieben. Aber wird man die Täter auch anklagen können? Die Umweltsünder in Industrie, Schiffahrt, Landwirtschaft und Tourismus, die seit Jahrzehnten das Meer als billige Ressource und als Abfallgrube genutzt haben.

Die Zahlen sprechen für sich: 650 000 Tonnen Öl wurden jedes Jahr ins Meer gekippt, siebzehnmal mehr, als die Exxon Valdez vor Alaska verlor. Thun- und Schwertfische sind mit der doppelten Quecksilbermenge verseucht wie ihre Artgenossen im Atlantik.

Unter der Fuchtel des Einstimmigkeitsprinzips einigte man sich in allen neuralgischen Punkten nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Floskeln, unverbindliche Appelle, freundliche Mahnungen, Binsenweisheiten beherrschten die Diskussion, in der klare Worte notwendig gewesen wären.

Mit einer Beschreibung seiner Krankheit ist dem Patienten Mittelmeer nicht mehr zu helfen: Konkrete Maßnahmen sind längst überfällig. V.M.