Einen guten Riecher bewiesen die Friedensforscher im Stockholmer Sipri-Institut, als sie vor mehr als drei Jahren vor der immergrünen Frage nach den Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa in der Zukunft ein Forschungsprojekt beschlossen: Welche wirtschaftlichen und militärischen Folgen würde ein amerikanischer Rückzug vom Kontinent für beide Seiten haben? Das Projekt ist nun abgeschlossen. Zwei stattliche Bände mit den Ergebnissen liegen vor – Simon Duke: "United States Military Forces and Installations in Europe" (s. ZEIT Nr. 17/90) und jetzt:

  • Jane M. O. Sharp (Ed.):

Europe after an American Withdrawal

Economic and Military Issues; Oxford University Press, Oxford 1990; 501 S., £ 27.50

Vor drei Jahren mutete das Thema noch reichlich futurologisch an. Heute ist es von der Aktualität eingeholt und brennt vielfältig den Politikern bis hinunter in die Kreise und Kommunen auf den Nägeln. Welche Vor- und Nachteile bringt der Rückzug für die Amerikaner und für die Europäer, für die Bundesrepublik zumal?

Und welche militärischen Implikationen entstehen damit, besonders an den Flanken der Nato im Süden und Norden? Kann die Nato künftig ohne US-Streitkräfte auskommen, oder wie viele braucht die Allianz? Und bedürfen die Amerikaner nicht der Basen in Europa? (Eine Frage, die in der Golfkrise einen interessanten Aspekt gewonnen hat.)

Von den Beiträgen dieses Buches werden nicht nur die Diskussionen der Strategie Community profitieren können. Bernhard Wördehoff