Von Karsten Witte

Was sind das für Filmtitel, die zur Löscharbeit an der Erinnerung aufrufen und dann doch vor dem Feuer der Selbstsuggestion aufgeben? Es sind starke Titel, denen schwächere Filme folgen: "Venedig vergessen", "Mozart vergessen" und nun noch "Palermo vergessen". Der Aufruf mißlingt, man erinnert sich. Denn am Ende spricht nicht der Held, sondern die Stimme seines Blutes, und die führte unausweichlich nach Palermo.

Die Hubschrauber-Panorama-Tour beginnt in New York. Carmino Bonavia (James Belushi in hölzerner Güte) ist ein ehrenwerter Mann, der sich in die ehrenwerte Gesellschaft verstrickt. Er will, kaum dem Bezirk und dem Makel von Little Italy entronnen, hoch hinaus als Kandidat für das Bürgermeisteramt. Dieser Sohn sizilianischer Einwanderer tritt mit dem Wahlversprechen an, das Drogenproblem zu lösen. Sein Vorschlag ist die Legalisierung des Drogengebrauchs, seine Hoffnung die Entkriminalisierung der Kleinverbraucher und der Entzug der Geschäftsgrundlage für die Großverdiener. Der Vorschlag mißfällt der Mafia, aber auch der Frau (Mimi Rogers), mit der Bonavia sich, vermählt und zur Hochzeitsreise nach Sizilien ins Land der Väter fährt.

Im Grand Hotel von Palermo empfängt sie der Manager (Philippe Noiret) mit ausgesucht rätselhafter Höflichkeit. Die Hochzeitsreise ist nicht heiter. Die ahnungslose Gattin, die eine Reportage über das städtische Elend knipst, sieht das Elend nicht. Melodramatische Zeichen drohen: im Südwind schlagende Türen, alte Photos, die plötzlich von der Wand fallen; seltsame Aufmerksamkeiten in Form von Jasminsträußchen alarmieren die Sinne des Paares. In Palermo, der Metropole des Verfalls, ist es verloren, als reiste es durch die Wüste Afrikas.

Die Reisenden schlittern in die Katastrophe. Anstatt seine Frau zu lieben, wendet der Ehemann mehr Leidenschaft dazu auf, einen vermeintlichen Störenfried seines Glücks zu finden. Der Junge ist Jasminverkäufer und war anmaßend freundlich zur liberalen Amerikanerin. Im "New Yorker" erwacht der Palermitaner – und damit eine mörderische Eifersucht, die tödlich besiegelt wird. Der Politiker erschlägt den Jungen, ohne recht zu wissen, wie es geschah.

Von der Mafia erpreßt, deren Vertreter bloß "der Mächtige" heißt, widerruft Bonavia sein Wahlversprechen. Scheinbar arrangiert er sich, dann gibt er doch den Spaten zur Grundsteinlegung eines Drogenzentrums ab. Seine Kampfansage wird heroisch, aber sinnlos. Umstandslos liegt der Bürgermeisterkandidat erschossen da.

Ein Problemfilm? Das Problem ist nicht die rhetorische Behauptung, sich für oder gegen die Kriminalität zu entscheiden. Das Problem ist die Nachlässigkeit, mit der das Problem behandelt wird. Das Thema gewinnt kein Terrain, obwohl der Regisseur seinen eigenen liberalen Standpunkt durch eine Reporterin des italienischen Fernsehens (dargestellt von der Tochter: Carolina Rosi) bekunden läßt.