Es hatte alles so vernünftig geklungen: Die Lufthansa verkündete, vom 28. Oktober an dürfe auf allen innerdeutschen Flügen nicht mehr geraucht werden. Eine Umfrage, so hieß es, habe ergeben, daß die überwältigende Mehrheit aller Passagiere für ein generelles Rauchverbot auf Kurzstrecken gestimmt hätte.

Die Entscheidung erschien einleuchtend, sie paßte zu der Tatsache, daß die Deutschen immer gesundheitsbewußter leben – wir trinken leichtes Bier, radeln zur Arbeit und essen täglich unseren Müsliriegel. Außerdem bestätigte sie einen internationalen Trend. Denn weltweit verbannen immer mehr Airlines die Glimmstengel aus ihren Kabinen – zumindest auf den Inlandsflügen. Sogar starke Raucher, ließ uns die Lufthansa wissen, hätten das Rauchverbot toleriert. Einige von uns begriffen den angekündigten Zigarettenbann sogar als willkommenen Anlaß, endlich und endgültig dem blauen Dunst abzuschwören.

Aber Fehlanzeige. Jetzt ist schon wieder alles vorbei! Denn es wird, wie die Lufthansa nach einer 180-Grad-Wendung verkündet hat, kein Rauchverbot geben. Weil, wie es heißt, "eine in guter Absicht getroffene Entscheidung zu einer Polarisierung und Konfrontation unter den Fluggästen führen könnte", was "das Unternehmen weder seinen Passagieren noch dem Bordpersonal zumuten könnte".

Die große starke Staats-Airline – plötzlich so ängstlich? Befürchtet sie wirklich Tumulte in ihren Maschinen, wenn renitente Raucher und gewalttätige Nichtraucher aufeinanderprallen? Ist sie selbst den Schreckensvisionen anheimgefallen, die Deutschlands größte Boulevardzeitung in der Schlagzeile beschwor: "Raucher in Handschellen". Sah auch sie schon Flugkapitäne ihr Hoheitsrecht an Bord gebrauchen und randalierende Raucher an die Kette legen?

Oder haben die Drohungen der "Ersten Raucher Lobby", den Kranich zum Pleitegeier zusammenzustutzen, den stolzen Vogel in den Rückzug gezwungen? Deren Cheflobbyist hatte alle Raucher, vor allem aber die sage und schreibe "3400 aktiven Sympathisanten" aufgefordert, Lufthansa-Flüge im Inland fortan zu boykottieren und auf die Liniendienste von LTU umzusteigen, wo Raucher wie Nichtraucher gleichermaßen willkommen seien.

Ist denn, obwohl der Wettbewerb am Himmel immer härter wird, die kleine LTU wirklich so gefährlich? Zumal der andere kleine Linien-Konkurrent in Deutschland, die Aero Lloyd, schon seit Jahresbeginn rauchfrei fliegt, ohne daß uns jemals Klagen von Rauchern zu Ohren gekommen sind.

Dabei wäre es für die Lufthansa doch ein leichtes gewesen, das Verbot als Chance zu nutzen, um sich mit einem gesundheitsbewußten Service zu profilieren. Sie hätte das delikate Sortiment ihrer Frühstücksbeutel noch attraktiver machen und einen Lolli beifügen können. Mit Nikotingeschmack, versteht sich, aber ohne Zucker.

Bernd Loppow