Von Fritz Vorholz

ZEIT: Die EG-Minister debattieren darüber, mit welchem Vorschlag über die Kürzung der Agrarhilfen sie in die Gatt-Verhandlungen gehen sollen. Fühlen Sie sich als Opfer dieses Streits?

Jacobi: Die kleinen und mittleren Betriebe kommen schon mit ihrem jetzigen Einkommen nicht aus. 54 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe leben von der Substanz. Und nun wird uns gesagt, daß die Agrarpreise weiter massiv fallen. Das geht uns natürlich an die Existenz. Aber in den Köpfen der meisten Bauern ist die Gatt-Runde noch gar nicht richtig angekommen. Das Gatt ist etwas, das auf den Dörfern fast unbekannt ist. Und die Regierungsparteien tun alles, um Einschnitte bis nach den Bundestagswahlen hinauszuschieben.

ZEIT: Wollen Sie denn bestreiten, daß die europäischen Bauern traditionellen Agrarexportnationen wie den Vereinigten Staaten, Neuseeland oder Argentinien die Märkte kaputtmachen?

Jacobi: Nein. Es stimmt, daß die Europäische Gemeinschaft eine aggressive Exportpolitik betreibt und daß die Amerikaner dadurch auf dem Weltmarkt eingeschränkt werden. Deshalb verstehe ich die hartnäckigen Forderungen der Amerikaner nach Subventionskürzungen.

ZEIT: Wo liegt dann das Problem?

Jacobi: Die Amerikaner betreiben eine Landwirtschaft auf einem höheren Rationalisierungsstand als allenthalben in Europa. Weil sie ihre Landwirtschaft durch Monokulturen verschandelt haben, weil sie massiv mit Gentechnik und Hormonen arbeiten, können die Amerikaner zu geringeren Kosten als die Europäer produzieren. Mit diesen Methoden können wir nicht konkurrieren: Die EG möchte das aber gerne. Und sie hat in den vergangenen Jahren auf der Basis ihrer Überschußproduktion massiv in den Welthandel eingegriffen. Das war nur möglich, weil ungeheure Beträge an Exporterstattungen gezahlt wurden.