Neue Namen

Über 150 Ostberliner Straßen und Plätze werden in den nächsten Monaten umgetauft. Eine "Arbeitsgruppe Straßenumbenennung" sammelt und sortiert derzeit im Roten Rathaus Vorschläge der Bürger, wie die Karl-Marx-Allee oder die Johannes-R.-Becher-Straße künftig heißen sollen. Bislang gingen über 1500 Anregungen ein. Besonders unbeliebt, das zeigt ein erster Überblick, sind Erinnerungen an ehemalige Staats- und Parteigrößen der Ex-DDR; aber auch Ehrungen für internationale Größen wie die ermordete indische Ministerpräsidentin Indira Ghandi oder den bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff konnten sich nicht durchsetzen – die komplizierte Schreibweise stört. Auf der Liste der Änderungsanträge ganz oben stehen denn auch die Otto-Grotewohl- und die Ho-Chi-Minh-Straße. Sie sollen wieder Weißenseer Weg und Wilhelmstraße heißen. Bis Mitte 1991 will Berlin die Schilder auswechseln. Zwei Namensnennungen – Willy Brandt und Bärbel Bohley – werden dabei unberücksichtigt bleiben: Eine Verordnung erlaubt Würdigungen auf offener Straße erst fünf Jahre nach dem Tod der Aspiranten.

Schlechtes Geschäft

Noch immer klettert das Thermometer in der saudischen Wüste mittags auf über vierzig Grad im Schatten. Die britischen Soldaten, die eben aus Deutschland an den Golf verlegt wurden, sind gegen diese Hitze schlecht gewappnet. Zwar stecken sie weder in schweren Tweedhosen noch in warmen schottischen Schafwoll-Pullovern, aber eben doch in Uniformen, die eher auf den Einsatz in kühlen Breiten zugeschneidert sind. Vor vier Jahren kam das britische Verteidigungsministerium zur Erkenntnis, die Zeit der Kriegszüge in den ehemaligen Kolonien sei endgültig vorbei. Deshalb wurde sogleich ein Käufer für die luftig-leichten Tropenuniformen gesucht – und bald auch gefunden: der Irak.

Krisengewinnler

Warum haben die Ständigen Mitglieder des UN-Weltsicherheitsrates stets so einmütig für Sanktionsmaßnahmen gegen Diktator Saddam Hussein gestimmt? Ein Bericht des Londoner Independent legt uns eine ebenso verblüffende wie abwegige Antwort nahe: aus purem Eigennutz. So manches ölexportierende Land sahnt kräftig ab, seit der Ölpreis infolge der Golfkrise in schwindelnde Höhen geklettert ist. Die Vereinten Nationen errechneten, daß Großbritannien pro Jahr zusätzlich rund 6,2 Milliarden Dollar verdient, China bringt es immerhin auf 2 Milliarden, die Sowjetunion sogar auf 24,3 Milliarden (die Schätzung basiert auf einem Ölpreis von 40 Dollar pro Barrel). Diese drei "Ölprinzen" sind bekanntlich auch Ständige Mitglieder des Weltsicherheitsrates.