Wenn IG-Metall-Chef Franz Steinkühler einen Solidarbeitrag der Arbeitgeber für die "beschleunigte Einkommensanpassung" der Beschäftigten in der früheren DDR anmahnt, ist das keiner Erwähnung wert. Wenn er aber, wie jetzt geschehen, auch einen Solidarbeitrag der westdeutschen Arbeitnehmer ins Gespräch bringt, verdient das Aufmerksamkeit.

Ist Steinkühler etwa bereit, auf Lohnerhöhungen im Westen zu verzichten, um den Nachholbedarf der Metaller im Osten mit zu finanzieren? So war sein Denkanstoß offenbar nicht gemeint. Ein echtes Opfer würde sich wohl bei der eigenen Klientel kaum durchsetzen lassen, zumal die Metaller seit 1984 einen Teil der möglichen Anhebungen in die Verkürzung der Arbeitszeit gesteckt haben.

Ausgeschöpft wurde aus ihrer Sicht in der Vergangenheit aber nicht die Umverteilungskomponente, die neben Inflationsrate und Produktivität in die Tarifforderung einfließt. Den größeren Teil davon, so deutete Steinkühler jetzt an, könne man für die schnellere Einkommensangleichung im Osten verwenden. Wie das freilich in der Praxis aussehen soll, darüber wird derzeit noch diskutiert. Ebenso ungewiß ist, ob die Basis dem Vorschlag folgen mag. Und daß die Arbeitgeber mitmachen, scheint nahezu ausgeschlossen. Sie wollten die Umverteilungskomponente ohnehin noch nie anerkennen. Doch selbst wenn sich die Unternehmer diesmal darauf einlassen würden: Wie kann sichergestellt werden, daß das Geld auch wirklich für den beabsichtigten Zweck verwendet wird?

Noch bleiben also viele Fragen offen. Erst wenn der halbherzige Vorstoß konkretere Formen annimmt, läßt sich beurteilen, ob er mehr ist als Augenwischerei. ms