Helmut Guthardt will das Familiensilber der Genossenschaftsbanken verscherbeln

Von Udo Perina

Gut, daß viele meiner Kunden nicht wissen, daß die DG Bank zu uns gehört“, sagt der Leiter einer kleinen südhessischen Volksbank. Die Nachrichten über Betrügereien, Entlassungen und Ertragseinbußen im Zusammenhang mit der Deutschen Genossenschaftsbank würden sich deshalb noch nicht auf sein Geschäft auswirken. Doch wenn die Skandale um die Frankfurter DG Bank nicht aufhörten, dann leide bald das Image der ganzen Genossenschaftsgruppe darunter.

Vorläufig bleibt die DG Bank, das Spitzeninstitut der rund 3100 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, in den Schlagzeilen. Den jüngsten Anlaß liefert DG-Bank-Chef Helmut Guthardt selbst, der vergangene Woche sein Ausscheiden nach der nächsten Hauptversammlung im kommenden Frühsommer ankündigen durfte. Der Rücktritt kommt nicht überraschend. Schon im vergangenen Mai entging er hauchdünn dem Hinauswurf. Nur dreizehn Mitglieder im Verwaltungsrat der Bank hielten ihm die Stange, zwölf stimmten gegen ihn. Daß sein bis Ende 1992 laufender Vertrag nicht verlängert würde, war jedoch beschlossene Sache.

Das Mißtrauen gegen den Genossen Vorsitzenden erreichte seinen Höhepunkt, nachdem in der Bank Anfang des Jahres kriminelle Transaktionen in Milliardenhöhe aufgeflogen waren. Der Chef von Guthardts Wertpapierabteilung hatte eigenmächtig spekuliert und der Bank eine Schieflage von voraussichtlich einigen hundert Millionen Mark beschert. Die Affäre führte zur Verhaftung mehrerer Wertpapierhändler. Guthardts Stellvertreter Herbert Schneider-Gädicke mußte seinen Hut nehmen. Bis heute sind die dunklen Geschäfte nicht restlos aufgeklärt. Und eine endgültige Einigung mit den von den illegalen Geschäften betroffenen französischen Banken steht auch noch aus.

Glücklose Hand

Eigentlich hätte der heute 56 Jahre alte Helmut Guthardt als ein großer Sanierer in die Geschichte eingehen können. Nachdem er vor fast zehn Jahren den Vorstandsvorsitz der DG Bank übernahm, hat er mehrere marode Unternehmen, die andere Banken längst aufgegeben hatten, vor dem Ruin bewahrt. Als sein jüngster Erfolg gilt die Rettung des co op-Konzerns, für die ihm selbst seine Feinde Lob zollen. Schließlich hat er nicht nur knapp 50 000 Arbeitsplätze erhalten. Die DG Bank kommt finanziell sogar noch mit einem Plus aus dem Geschäft.