Drei Wiener Musiker (Freddy Monday, Außer Mir und Eberhardt Grimmscheidt) pressen und pumpen zuckend Töne aus ihren Instrumenten (Fagott, Helikon und Quetschkommode, auch Posaune, Klampfe, Kontrabaß, Klavier). Sie stellen Dissonanzen in den Raum und sehen ihnen melancholisch nach. Einer schlürft zwanghaft alle paar Minuten japanisches Heilpflanzenöl. Desorientiert torkelt das Trio auf der Bühne umeinander. Aber torkeln sie? Oder sind wir Zeuge einer ausgeklügelten Choreographie, die raffiniert die Raumdiagonalen nutzt?

Dieser bunte Abend von Franz Franz & The Melody Boys heißt „Viel Glück & Viel Segen oder Herr Pospischil ist ein bunter Abend“. Sascha Pospischil, ein junger Lebensmittelchemiker, der rastlos neue Sorten Fruchtjoghurt erfindet, wird im Laufe des Programms seine Freundin Margarethe verlassen, weil sie seine Socken verkehrt herum zum Trocknen aufhängt, nämlich an den Zehen. Sascha kehrt zu seiner Mutter zurück; Pospischil betont man auf der ersten Silbe. Bei diesem bunten Abend handelt es sich um „eine mezzodramatische Flagellation durch die Wunderwelt der sieben Fegefeuer“.

Das Programm beginnt als Einführung in das Programm durch den Bestattungsunternehmer Eberhardt Grimmscheidt, der stottert wie ein österreichischer Showmaster und so die Verbindung zwischen Fernsehunterhaltung und Friedhofswesen illustriert. Tatort des Gastspiels ist das Theater Combinale in einem Hinterhof der Lübecker Altstadt.

In Lübeck ist Wien weit. Der Norddeutsche hält Weanerisch für einen exotischen Dialekt und weiß nicht, daß es sich bei Österreich um eine todernste Angelegenheit handelt. Das Publikum klatscht den Ansager nieder, bewirft ihn mit Geld und bewirkt so, daß die Musiker doch noch musizieren müssen.

Im zweiten Bild hängt die Posaune an einem Fleischerhaken von der Decke. Auf einem Klavier blinken (wie schon im ersten Bild) bunte Glühbirnen um eine Puppe herum, die breitbeinig dasitzt und eine Dornenkrone trägt. Sascha Pospischil stellt (noch vor der Sockenkrise) die Frage nach dem Sinn des Lebens: „Jede Nacht so gegen eins / gibt’s ein Mädel oder keins / Weil es meistens keines gibt / mach’ ich mich bei dir beliebt.“ Bald darauf hält Eberhardt Grimmscheidt eine weitere Rede. Die Veranstalter verlassen kichernd den Raum, weil sie wissen, daß gleich Pause ist.

Es war nichts, nur eine Katastrophe. Drei Musiker, die sich ins Wort und in die Akkorde fallen, Freddy Monday, im orangerot geblümten Strampelanzug, stolpert als verendender Schwan durch das Programm und ruft nach seiner lieben Mutter. Außer Mir marschiert als ein ins Balkanesische überhöhter Tom Waits auf und ab und versucht, den Abend zu überstehen, ohne die Schultermuskulatur zu entspannen. „I never listen no more to Ilsebill“, preßt er heraus, und: „Blow your Jojo, Salzkammergut. / Never forgive the ones who trespassed against you.“

Nun hängt natürlich alles an Eberhardt Grimmscheidt. Das Magengeschwür steht ihm ins Gesicht geschrieben. Aber die Diskussion über das Programm bleibt Bestandteil des Programms. Wem es nicht gefällt, der kann ja gehen. Das gilt auch für die Musiker, die sich gelegentlich vor den Auseinandersetzungen auf der Bühne in die Garderobe flüchten.