Da war es aus. Die Hochrechnung bestätigte sich, der Kandidat hatte verloren, die Reaktion gesiegt. Hans-Jochen hielt eine flammende Rede – vorbildlich, wie er den Weinkrampf zum Bellkrampf machte – und „stellte fest“, daß wir alle (außer den anderen, denen das egal ist) wieder einmal vier Jahre zu warten hätten, bis alles wieder ganz anders ... et cetera. Dann hub er noch einmal an und dankte dem Kandidaten für seinen vorbildlichen ... und so weiter. Und dann, irgendwann, kam der Kandidat.

Und da geschah das Wunder, das Unerwartete, das dolce miracolo. Während wir noch im Sessel mit den Tränen rangen (oder mit dem „Der bleibt drin!“-Verschluß einer handelsüblichen Getränkedose), stieg eine beklemmende, unvermutete Ahnung in uns auf, wurde zur Gewißheit und sprang uns aus allen Fernsehbildern an: Oskar, der Verlierer, war quietschfidel! Der Mann strahlte förmlich in sich hinein, so wohl war ihm. Gut, gut, gelegentlich setzte er zwar noch, wohl der Fairneß halber und um niemanden zu enttäuschen, eine bittere, nachdenkliche Miene auf – aber im nächsten Augenblick war er wieder so fröhlich wie einer, der gerade bei einer Lotterie ein Fahrrad gewonnen hat. Und auf einmal wurde uns klar, wer in Wahrheit am Sonntag gesiegt hatte: er.

Nicht jeder kennt dieses Gefühl. Aber ein paar wenige, Auserlesene kennen es und haben es gekostet: die Ruhe nach dem Fall. Ein wichtiger, bedeutender Posten soll vergeben werden, große, unheilschwangere Aufgaben warten auf den neuen Machthaber, zitternd und bangend reiht man sich ein in die Schlange der Bewerber – dann ist die Sitzung vorbei, die Wahl getroffen, ein anderer hat die Stelle bekommen. Stillvergnügt geht man dann nach Hause, zu Frau, Kind und Fahrrad, zu den Freuden des Lebens und der Küche. Andere mögen die Kriege führen; du, glücklicher Verlierer, bist aus dem Schußfeld! Und bis zur nächsten Bewerbung ist eine lange, lange Zeit.

Ja, Oskar hat gewonnen! Nicht er, sondern der andere, der dicke, strahlende Sieger, hat verloren. Der bleibt drin! Der muß jetzt die bösen Ostkinder füttern und den Araber schlagen. Oskar aber ist raus. Dolce miracolo! Das Leben geht weiter, der Schornstein raucht, die Meere sterben, der Lotse fällt von Bord – das Schiff fährt. Und wir ziehen froh von dannen. Finis