Die packendsten Begegnungen im französischen Profifußball finden derzeit Mitte der Woche statt, in den Spalten der Nachrichtenmagazine und in den Studios des Fernsehens. Ein Match verläuft dort gnadenloser als das andere. Spieler, Clubpräsidenten, Schiedsrichter dribbeln sich um Kopf und Kragen, hart attackiert von Steuerfahndern und Kriminalpolizisten.

Kein Wunder, daß den Spielern auf dem Rasen der Schreck in die Glieder fährt: Bordeaux etwa ging beim jüngsten Europacupspiel gegen Rom mit 0:5 unter. Das Team von Marseille bezwang am Samstag zwar Montpellier beim Ligatreffen, fand aber keine Gnade vor dem Auge seines Trainers Franz Beckenbauer, der mit der Spielanlage seiner müden Mannschaft unzufrieden war.

Freilich klingt dieser Tage schon das Wort Spielanlage verflixt doppeldeutig. Es meint zusehends weniger die sportliche denn die wirtschaftliche Strategie der Spitzenclubs. Bordeaux’ übellauniger und schnauzbärtiger Präsident Claude Bez wurde eben wegen Betrug und Veruntreuung öffentlicher Zuschüsse angeklagt und mußte sein Amt über Nacht abgeben. In der Kasse klafft eine Deckungslücke von rund 75 Millionen Mark. Dem Generaldirektor und dem Verwaltungschef von Olympique Marseille droht eine Klage wegen Schwarzgeldzahlung an Stars wie Karlheinz Forster, Alain Giresse oder Philippe Vercruysse.

Der Generaldirektor von Toulon mußte bereits seinen Platz auf der Vereinsbank mit einer Pritsche im Untersuchungsgefängnis vertauschen. Er soll nicht nur den Fiskus betrogen, sondern für seine schwarze Kasse auch Rechnungen gefälscht haben. Angeklagt wegen fingierter Rechnungen sieht sich auch Jean-Claude Darman, der smarte Promoter der Nationalmannschaft, Werbeberater von einem Dutzend Proficlubs und Chefunterhändler zwischen Vereinen und Fernsehen für die Übertragungsrechte.

Ins Gerede geraten ist jetzt auch Bernard Tapie, Präsident von Olympique Marseille, Arbeitgeber von Beckenbauer und neuerdings Patron der deutschen Sportartikelfirma adidas. Wieviel wußte er von den Geschäften seiner beiden Vereinsmanager? Tapies Konter aus der Tiefe des Raumes ließ nicht lange auf sich warten. Vor der Fernsehkamera verlagerte der Mitterrand-Schützling sein Spiel geschickt auf die Flügel und nahm den Angreifern ihr Tempo.

Tapie beklagte sich über das mangelnde Rechtsbewußtsein der Fahnder und Richter, die ungeniert der Presse Untersuchungsmaterial zugespielt hatten. Und er beschwerte sich über die Vermengung von Straftatbeständen mit bloßen Steuervergehen – womit er offenbar für seinen Club bereits auf mildernde Umstände plädiert. Zumindest den Steuerfahndern wird Tapie wohl Rede und Antwort stehen müssen. Auch sein Club soll mit vorgetäuschten Krediten oder Anleihen das Gehalt einiger Stars aufgebessert haben – im französischen Fußball inzwischen ein landesübliches Verfahren.

Weder mußten die Balltreter dafür Steuern zahlen, noch hätte ihr Verein Sozialabgaben zu leisten. Tapie lenkte im übrigen selbst die Aufmerksamkeit der Behörden auf diese Praxis, die er gerade erst im Frühjahr seinem Freund Michel Charasse, dem französischen Budgetminister, en detail in einer Studie über die trüben Geschäfte des Profifußballs erläutert hatte.