Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl: Kleine Veränderungen zeigten große Wirkung

Von Wolfgang G. Gibowski und Dieter Roth

Die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl stand ganz im Zeichen der Vereinigung Deutschlands und dem damit verbundenen Erscheinungsbild der Parteien. Die Bundesregierung als Motor einer raschen Vereinigung wurde nicht nur bestätigt, sondern konnte ihre Position sogar noch ausbauen. Die Oppositionsparteien verloren Stimmenanteile, wobei entsprechend ihrer distanzierten Haltung zur Vereinigung die Grünen mehr, die SPD weniger Verluste hatten.

Unter dem Rückgang der Wahlbeteiligung haben sowohl CDU/CSU wie auch SPD gelitten, wobei der Schluß naheliegt, potentielle Unionswahler seien nicht zur Wahl gegangen, weil die Entscheidung in der Hauptsache ja gesichert sei, während SPD-Wähler ganz ähnlich wie noch bei der Landtagswahl in Bayern vor wenigen Wochen aus Enttäuschung zu Haus geblieben sind. Dort, wo die Wahlbeteiligung nur geringfügig abgenommen oder sogar zugenommen hat, waren die Verluste der SPD geringer, während die CDU ihr Ergebnis verbessern konnte.

Der Einteilung Deutschlands in zwei Wahlgebiete entsprechen auch Unterschiede im Abschneiden der Parteien und der strukturellen Zusammensetzung der verschiedenen Wählerschaften. Im West-Ost-Vergleich haben SPD und PDS am unterschiedlichsten abgeschnitten, wobei im östlichen Wahlgebiet die Summe aus SPD und PDS mit 35,4 Prozent in etwa dem SPD-Ergebnis im Westen (35,7 Prozent) entspricht.

Die Betrachtung der Wählerstrukturen zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Im Westen liegt die CDU/CSU bei den bis 24jährigen und bei den Wählern ab 40 Jahren vor der SPD, im Osten dagegen in allen Altersgruppen. Gesamtdeutsch bleibt der SPD dann nur ein Vorsprung bei den 25- bis 29jährigen und Gleichstand bei den bis 39jährigen. Die FDP wird im Westen und Osten von den 40- bis 60jährigen überdurchschnittlich häufig gewählt, die Grünen in beiden Wahlgebieten von den jungen Wählern bis 39 Jahren. Das Wahlverhalten von Männern und Frauen unterscheidet sich nur unerheblich, gleichgültig, ob man das westliche oder östliche Wahlgebiet betrachtet. Im Westen wie im Osten haben sich die meisten Katholiken für die Union entschieden.

CDU dominiert auf dem Land